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Schlagwort-Archive: Gedanken

Susepedia lebt

Entgegen anderslautenden, hartnäckigen Gerüchten ist dieser Blog nicht tot. Nur ein bisschen vernachlässigt.

Na schön, sehr vernachlässigt.

Zum einen liegt das daran, dass ich ein zweites, nicht anonymes Blog aufgemacht habe, um meine Larpaktivitäten zu dokumentieren. Deswegen werden hier in Zukunft nicht mehr allzu viele „reale“ Dinge zu diesem Thema auftauchen, also Bilder von Basteleien etc., die mir im realen Leben zuzuordnen sind. Larp an sich wird allerdings hier immer wieder mal Thema bleiben.

Der wichtigere Grund ist allerdings: Mangelnde Zeit. Ich habe nach meinem letzten Post tatsächlich den Mut gefunden, mir nochmal eine neue Stelle zu suchen. Es ging erstaunlich leicht, die Bewerbungen zu formulieren, einfach, weil ich nun sehr genau wusste, was ich wollte und – noch wichtiger – was ich definitiv nicht wollte. Ich habe nur drei oder vier Bewerbungen geschrieben, aber überall Vorstellungsgespräche gehabt, was mir schon sehr Auftrieb gegeben hat, nachdem ich bei der Mediaagentur anfing, an allem – und vor allem an mir – zu zweifeln.

Nun arbeite ich in unserer Stadt, habe einen Anfahrtsweg von 20 Minuten (mit dem Rad) und mache das Marketing und die stellvertretende Leitung eines Shopping Centers. Der Job ist spannend, war im Herbst sehr arbeitsintensiv und ist gerade etwas ruhiger. Mit meiner Chefin komme ich super klar, das Ganze ist eine wahre Wohltat für meine von Selbstzweifeln zerrüttete Seele. Nur meine Vollzeitkollegin nervt mich, weil sie einfach vollkommen teamunfähig ist, aber irgendwas ist ja immer.

Ansonsten bricht bei uns im Freundeskreis grade ein Babyboom aus: Vier Paare sind schwanger, von den verheirateten sind wir grade die einzigen außerhalb der akuten Nachwuchsphase (also von dem einen Ehepaar abgesehen, dass gerade sein Trennungsjahr beendet). Mal sehen, wie lange wir noch widerstehen. *grins* Scherz beiseite, im Augenblick habe ich nur einen Einjahresvertrag, und ich hätte schon gerne einen unbefristeten, ehe ich einen Babypause einlege. Ich hoffe nur, ich bekomme im Sommer diesen auch, und nicht einen erneuten Jahresvertrag. Warten bis ich 36 bin, wollte ich nämlich eigentlich nicht mit dem Nachwuchs. Das wird mir langsam arg spät.

Ich hoffe, dass ich es in Zukunft schaffe, wieder häufiger was zu bloggen. Wäre ja wirklich schade, wenn das hier verwaisen würde.

 

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Ein Kommentar

Verfasst von - 7. März 2017 in Allgemein, Arbeit, berufliches, persönliches

 

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Elfer-Stöckchen

Die liebe Curima hat mir mein erstes Blogstöckchen hingehalten. Das nehme ich doch gerne an. 🙂


 

Welches Essen verbindest du mit Kindheitserinnerungen und magst du es auch heute noch?

Oh, das ist schwierig, denn meine bayerische Mutter verwöhnte uns sehr mit guter Hausmannskost. Aber was ich sehr, sehr gerne gegessen habe, waren süße Nudeln. Bandnudeln in Milch gekocht. Mit Zimtzucker und wahrscheinlich so hochkalorisch, dass ich heute tot umfallen würde, wenn ich die Zahl wüsste. Aber die Erinnerung an den Geruch der gekochten Milch und des Zimts… Tatsächlich habe ich diese Nudeln seitdem nie wieder gegessen. Ich sollte meine Mutter mal nach dem Rezept fragen.

Hattest du als Teenager jemals Star-Poster in deinem Zimmer hängen und wenn ja, von wem?

Als Kind der 80/90er bin ich ein Boygroup-Opfer, ich muss es bekennen. Zu meiner Ehrenrettung: Es waren weder Backstreet Boys noch Caught in the Act. Es war Worlds Apart. Im Nachhinein nicht wirklich besser als die ersten beiden, aber immerhin nicht Mainstream. Und ab 14 wurden diese Poster von Michael Jackson verdrängt. Bis der dann etwa zwei Jahre später meinen Wände mit Star Trek-Postern teilen musste.

Was ist aktuell dein liebstes Ding, was bei dir zu Hause an der Wand hängt?

Die Fotos meiner Freunde in unserem Flur. Und die kleine Wanderklampfe meines Liebsten.

Was war das letzte Mediendings (Buch, Serie, Spiel…), was du abgebrochen hast und warum?

Hm… Walking Dead haben wir nach der dritten Staffel nicht mehr weiter geguckt. Irgendwie ging die Luft raus. Und da wir kein netflix o.ä. haben, war uns wohl einfach die Wartezeit bis zur nächsten Staffel zu lang. Allerdings nehmen wir das irgendwann wieder auf. Hoffe ich. Ganz raus sind wir bei Dr. House, der mir einfach irgendwann zu sehr von der ursprünglichen Intention der Serie weggegangen ist (ich glaube, wir haben bis Staffel 5 geguckt).

Welche übernatürliche Fähigkeit würdest du gerne beherrschen?

Ganz klar: Fliegen! Wie Superman. Gibt’s da die Kälteunempfindlichkeit eigentlich gratis dazu?

Wie oft denkst du außerhalb des eigentlichen Spiels an deine Rollenspiel-Charaktere? 

Ich versteh die Frage nicht… „außerhalb des Spiels?“ *grinst*

Tatsächlich denke ich an meine Larp-Charaktere sehr, sehr oft. Aber da sind die Interaktion mit anderen Spielern und der Aufwand durch die Bastelei auch einfach exponentiell intensiver als im P&P. Durch den Verein ist man einfach sehr mit dieser Welt verbunden, und es gibt viele Unterhaltungen mit anderen Spielern und Vereinsmitgliedern, weil sich ja auch die Welt permanent weiterentwickelt und verändert.

Witzigerweise denke ich sehr oft an die P&P-Vampire-Runde, die ich meistere. Die Chars meiner Spieler finde ich toll, und ich ertappe mich sehr oft dabei, wie ich mir ausmale, wie sie in zukünftigen Szenen reagieren werden (natürlich liege ich immer falsch). Die Geschichten dazu findet man übrigens unter der Kategorie „Vampire“ hier im Blog. Oder hier und hier.

Was war die letzte Sache, die dich richtig aufgeregt hat?

Flüchtlingskrise. Pegida. AfD. Der Untergang von Zivilisation, Diskussionskultur und Besonnenheit in den Kommentarspalten von facebook.

Wofür würdest du gerne in 200 Jahren noch bekannt/berühmt sein?

Mich stört der Gedanke nicht, keine Spuren zu hinterlassen. Doch es würde mir gefallen, wenn meine Enkel einst ihren Kindern erzählen: Eure Urgroßeltern waren fast ihr ganzes Leben zusammen, sie bauten ein Haus, hatten Hunde und Katzen und gingen arbeiten. Und Papa hat immer erzählt, dass er schon als ganz kleiner Steppke mit durfte, wenn sie am Wochenende auf Abenteuer gingen (Gott, ist das kitschig) …

Lieber fliegen können oder lieber unter Wasser atmen?

Siehe Frage 5. Auch wenn ich Tauchen total toll finde. Aber man muss sich ja entscheiden. 😉

Gibt es irgendeine Eigenschaft, Fähigkeit oder Macke, die du 1 zu 1 von einem deiner Elternteile übernommen/geerbt hast?

Ich hoffe nicht…

Am ehesten noch die Aufgeschlossenheit meines Vaters, der sich immer für neue Dinge interessiert hat und immer alles wissen wollte, einfach um des Wissens Willen. Kann aber auch sein, dass es mir nur rückwirkend so scheint, als wäre er so gewesen.

Wo, wie und mit wem würdest du wohnen wollen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Mit dem Liebsten in einem großen Haus mit viel Grundstück drum herum, weit weg von Ballungsgebieten. Platz für Tiere, ein Garten, Platz für Werkstatträume zum Nähen, Basteln, Handwerken. Idealerweise ein Gelände, auf dem man kleine Privatcons machen könnte.

Gerne auch mit ein, zwei ausgewählten befreundeten Paaren/Familien.

Oh Mann. Heute hab ich echt einen kitschigen Tag. Sind bestimmt die Hormone. 😉


 

So, dann werfe ich das Stöckchen mal weiter, und nominiere: Molly, Nandalya, PTAchen, Pharmama und Nadja. Natürlich ist auch jeder andere herzlich eingeladen, mitzumachen.

  1. Welches Essen fandest du als Kind eklig, das du inzwischen gerne isst?
  2. Hand aufs Herz: Was war deine schlimmste Modesünde?
  3. Was war das letzte Buch, das du zu Ende gelesen hast?
  4. Welche Art von Werbung nervt dich in deinem Alltag am meisten?
  5. Welche Eigenschaft hättest du gerne oder hättest du gerne ausgeprägter?
  6. Welches Buch verbindest du mit deinem Deutschunterricht?
  7. Welches Fach würdest du studieren, wenn es nur um das Interesse und nicht um Zukunftschancen ginge?
  8. Okay, ein Klassiker: Berge oder Meer?
  9. Wenn es keine Zwänge gäbe: Stadt oder Land?
  10. Eigenständig, anhänglich, verspielt: Welche Hunderasse wärst du?
  11. In welcher Fantasywelt würdest du gerne leben, wenn du dich dauerhaft für eine entscheiden müsstest?
 
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Verfasst von - 1. Februar 2016 in Allgemein, persönliches

 

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Jahresende 2015 – Bilanz

Das alte Jahr hat nur noch wenige Stunden vor sich, dann ist es Geschichte. Zeit, auch hier auf dem Blog zurückzublicken und zu schauen, was passiert ist – innerhalb und außerhalb dessen, was Platz hier findet.

2015 war in vieler Hinsicht ein Jahr des Neuen, aber auch ein Jahr der Konsequenzen. Im Frühjahr hat mich das Buch von Nadja Herrmann – „Fettlogik überwinden“ erreicht und mein Verständnis vom Abnehmen und der ganzen Mythen rund um das Thema „Gewichtsabnahme“ extrem durcheinander geschüttelt. Der Liebste und ich, die wir uns ja im Winter entschieden hatten, den Stubaier Höhenweg zu wandern, nutzen das neue Wissen und machte uns fit für den Sommer – und er – typisch Mann, meine Güte – nahm mal eben 10 kg ab.

Der Stubaier Höhenweg war wundervoll, zeigte mir aber auch gnadenlos, dass Wandern nicht alleine von Fitness und Ausdauer abhängt, sondern auch von gesunden Kniegelenken. Bis heute schlage ich mich damit herum.

Das letzte Viertel des Jahres war von einem weiteren gesundheitlichen Tiefschlag geprägt: Mitte Oktober verspürte ich auf dem Weg zu einer Messe heftigen Schmerz in einer Wade. Eine befreundete Ergotherapeutin, die weiß, dass ich an Varizen leide, schickte mich per Whatsapp dringlich ins Krankenhaus. Und ihre Befürchtung stimmte: Ich hatte eine Thrombose. Zwar nicht in einer tiefen Vene, sondern nur in einer Muskelvene, aber das gute Stück war bereits 8cm lang. Also nehme ich seit Oktober Blutverdünner und muss derzeit durch den ganzen Analyse- und Laborkram, was ziemlich nervt. Sportliche Betätigung ist seitdem ziemlich Fehlanzeige. Im Januar bekomme ich dann die Gentestergebnisse und hab einen Termin bei einer Angiologin, mit der ich dann hoffentlich besprechen kann, wie das weitergeht. Es ist schon bitter ironisch, wenn man sich vornimmt, sportlicher zu leben und dann ein Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine geworfen wird  – vom eigenen Körper..!

Mein Liebster lernt fleißig für seinen Meister. Da seine Firma ziemlich spektakulär insovent gegangen ist, muss er sich außerdem parallel nach einem neuen Job umsehen, den er dann nach dem Meisterkurs angehen kann.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Ich habe es endlich geschafft, meinen alten Job zu kündigen und werde im April bei einer Mediaagentur anfangen. Sicher wird das stressiger als das bisherige komfortable Dasein, aber inzwischen bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mir klar ist, dass Unterforderung und Langeweile auf der Arbeit schlimmer sind als die eine oder andere Überstunde.

Wie sich die neuen Jobs auf die Larpsaison auswirken werden, können wir noch nicht absehen. Aber manchmal geht das reale Leben einfach vor.

In diesem Sinne – kommt gut ins Jahr 2016!

 

 
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Verfasst von - 31. Dezember 2015 in Allgemein, persönliches

 

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Offene Fragen

Heute werden der Liebste und ich bei meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zum Mittagessen sein.

Der gute Xaver kommt aus Sachsen und ist eigentlich ein ganz guter Kerl, und vor allem tut er meiner Mutter nach dem Tod meines Vaters als ruhiger Gefährte gut. Nur leider haben Xaver und ich ein Problem miteinander, seit er mir als als Lektüre das „Deutschlandprotokoll“ empfohlen hat.

Regelmäßig geraten wir über politische Ansichten aneinander, zumal er mit seinen Infos von Kopp, Pedigaseiten etc. meine Mutter regelmäßig zu Statements bringt, die sie eigentlich gar nicht versteht. Er gehört zu der Klasse Menschen, denen die Welt zu kompliziert geworden ist und die sich in Verschwörungsmythen flüchtet, um das Gefühl zu bekommen, der Unübersichtlichkeit dieser Welt nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern im Gegenteil etwas „durchschaut“ zu haben, was andere Menschen nicht sehen – Weltverschwörung und so. Und wie das meist so ist, gehen hier Angst und Fremdenfeindlichkeit Hand in Hand… denn der Fremde könnte mir ja etwas von dem bisschen wegnehmen, das ich mir hier mühsam durch alle Unsicherheiten gerettet habe.

Jetzt ist da heute ein Essen angesetzt. Und ich frage mich, was ich ihm entgegensetzen kann, wenn er damit anfängt, die Flüchtlinge seien schuld an den Anschlägen von Paris, und die unkontrollierte Zuwanderung sei von Anfang an ein Fehler gewesen, und Merkel wäre eine Volksverräterin etc.

Seit heute weiß man wohl, dass mindestens einer der Attentäter wirklich als Flüchtling über Griechenland eingereist ist. Erst hatte ich gehofft, es wäre nur der Pass, der in Griechenland zur Registrierung genutzt wurde, aber es gibt wohl Fingerabdrücke.

Was sage ich diesem Mann heute?

Ich bin nach wie vor felsenfest überzeugt, dass es unsere humanitäre Pflicht ist, den Flüchtlingen zu helfen (und das unabhängig von unserer Vergangenheit!), und auch das Risko in Kauf nehmen müssen, dass da eben schwarze Schafe dabei sind. Aber ich bin nicht so blind, zu leugnen, dass ein reines „Grenzen auf“ in Deutschland alleine nicht dauerhaft möglich ist – es muss eine sinnvolle zentrale Steuerung geben, und auch die anderen EU-Länder müssen mitziehen – und nicht wie Polen jetzt einfach einen Rückzieher machen. Wir sind Europa, und nicht nur, wenn es darum geht, Subventionen einzusacken, sondern auch bei Problemen, verdammt noch eins!

Nur: Was sage ich Xaver heute, wenn er triumphierend „Das war doch klar“, „Diese Regierung wird sich selbst zerlegen“, und „Wir geben Milliarden aus, um die durchzufüttern, und die sprengen uns in die Luft“ oder ähnliches von sich gibt?

Vielleicht weise ich ihn einfach darauf hin, dass auch er zu den 17 Millionen „Flüchtlingen“ von 1990 gehört, die bis heute von uns per Soli unterstützt werden… was wäre denn gewesen, wenn unsere Politk damals aus Angst vor der Sowjetunion nicht mutig auf Konfronationskurs gegangen wäre?

Das mag zwar auch polemisch sein, und es ist genauso verallgemeinert wie seine Positionen, aber vielleicht bekomme ich ihn damit ja wenigstens zum Schweigen.

 
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Verfasst von - 15. November 2015 in Gesellschaftliches, Politisches

 

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Paris

Terror macht sprachlos

Terror macht Angst

Doch niemals, niemals darf er uns vergessen lassen, dass Angriffe auf unsere Freiheit uns stolz, trotzig, mutig werden lassen müssen. Nicht ängstlich, duckmäuserisch und schreiend nach mehr Kontrolle 

 
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Verfasst von - 14. November 2015 in Allgemein, Gesellschaftliches, persönliches

 

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Späte Quittung

Hallo, da draußen, noch jemand da? So lange war es wieder still bei mir. Eigentlich wollte ich hier schon einige Bilder mehr vom Urlaub posten, die Wanderung geistig wiederholen und hier aufleben lassen… allein: Weder Zeit noch meine Stimmung sind dazu im Augenblick passend.

Nachdem ich seit über einem Monat wieder zuhause bin, war ich gestern endlich zur Diagnose bei der Orthopädin – wie das ist, nach Ersttermin, Überweisung zum MRT und Folgetermin, da ziehen schnell Wochen ins Land, die man hinkend verbringt. Ein Fahrradsturz zwischendurch machte zeitweilig das Knie zur Nebensache, weil ich mir eine derartig fiese Zerrung im Oberschenkel geholt habe, das ich dann auch nur noch langsam gehen konnte. Mein Fahrrad, nebenbei, war Schrott.

Naja, jedenfalls ist mein Knie nicht richtig kaputt, nur überall ein bisschen. Vor allem ist eine Sehne und der Schleimbeutel unter der Kniescheibe entzündet. Heilungsunterstützend soll ich Stoßwellentherapie bekommen.

Dann, ein etwas zögerlicher Blick der Ärztin, die etwa mein Alter sein dürfte: Sie haben eine beginnende Arthrose.

Mit 33.

Uff.

Abnutzung durch Überbelastung vom Sport? Von einem einzigen Wanderurlaub? Unwahrscheinlich.

Nein, wahrscheinlicher: Jahrelanges Übergewicht.

Die Ärztin schaut mich überrascht an, als ich das sage. Da ich das erste Mal in ihrer Praxis bin, kennt sie meine Vorgeschichte nicht. Seit rund 16 Jahren übergewichtig, davon sicherlich 10 Jahre irgendwo im BMI-Bereich zwischen 30 und 35.

Tja.

Sie meint „die Ursachen dafür sind nicht ganz eindeutig geklärt, das kann unterschiedliche Gründe haben“, und ich denke mir: „Wenn ich es schon selbst sage, warum versuchst du es noch zu relativieren? Welche andere Erklärung wäre denn naheliegender, wenn man wenig Sport macht, keine familiäre Vorgeschichte hat?“

Eine späte Quittung. Immerhin, ich stehe kurz vorm Normalgewicht, und inzwischen macht mir Bewegung Freude. Sie sagt mir, dass man in diesem frühen Stadium sehr gut mit Sport gegensteuern kann, mit wandern, joggen, Fahrrad fahren. Das motiviert mich. Und ich bin froh, denn ich kenne mich und meinen nicht vorhandenen Ehrgeiz: Hätte ich diese Diagnose bekommen, als ich noch 100kg gewogen habe, hätte ich versucht, die Gründe woanders zu suchen. Und es hätte mich nicht dazu gebracht, mehr Sport zu machen, im Gegenteil, es hätte eine Abwehrreaktion ausgelöst. Eher hätte ich die Diagnose und die Therapieansätze in Frage gestellt – und überhaupt, das ist doch wieder dieser Fokus auf dem Gewicht, das ist doch Mist und reine Dicken-Diskriminierung! – als dass ich angefangen hätte, Sport zu machen. Nur um nicht wahrhaben zu wollen, dass ich es verbockt habe. Natürlich wusste ich, dass Übergewicht schlecht ist und ich nicht so fit bin, wie ich es gerne wäre. Natürlich hingen immer gewisse Krankheiten damoklesschwertgleich drohend über mir: Diabetes. Bluthochdruck. Aber solange ich sie nicht hatte, konnte ich sie ignorieren.

Ich bin viel auf dem Fettlogik-Blog von Nadja unterwegs, und da geht es oft um die Fatacceptance-Bewegung und die fassungslose Frage, warum Menschen ignorieren, dass sie ihrem Körper schaden. Auch ich verstehe es nicht. Aber gestern, da ist mein altes (dickes) Ich plötzlich hervorgesprungen und hat geschrien: „Lass mich in Ruhe mit unbequemen Wahrheiten! Dicksein ist nicht schädlich, das ist alles gesellschaftlicher Normierungsdruck!“

Ich hab ihm kurz zugehört. Dann habe ich meine erste Sitzung Stoßwellentherapie überstanden und bin mit der Bahn heimgefahren.

Heute Abend kaufe ich mir ein neues Fahrrad.

 
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Verfasst von - 9. Oktober 2015 in Abnehmen & Fitness, persönliches

 

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Aus aktuellem Anlass: Währ Rechtschraibfeler findett darf Sie behaltn!

Ich habe Germanistik studiert, ja. Und ich bin – behaupte ich mal – ziemlich firm in Rechtschreibung und Grammatik. Deswegen tut es mir teilweise körperlich weh, wenn ich im Internet Einträge sehe, die vor Fehlern nur so strotzen. Ja, mir ist klar, dass nicht jeder gleich gut in Rechtschreibung und der Beherrschung der deutschen Sprache ist. Das war auch schon immer so und ist früher einfach weniger aufgefallen, weil Otto Normalmensch bis ins 21. Jahrhundert hinein bei weitem nicht so viel schriftlich kommuniziert hat wie heute.

Aber: Nur weil plötzlich jeder schreiben kann (oder darf), muss ich mir dann auch diese Sprüche „wer Fehler findet, darf sie behalten“ oder „da kommen wieder die Grammatiknazis“ wirklich anhören, wenn ich jemanden auf Fehler hinweise? Oft genug behalte ich es schon für mich und tue das nicht mehr, aber ganz im Ernst: Wer beispielsweise noch nicht mal weiß, dass Satzzeichen direkt hinter die zugehörigen Wörter gehören und kein Leerzeichen dazwischen stehen darf… bei dem sehe ich: Da hat die Allgemeinbildung an einem Punkt aufgehört, der noch deutlich vor dem liegt, an dem ich jemanden als Diskussionspartner ernst nehmen kann.

Ja, ich schließe von Rechtschreibung auf Intelligenz. Weil es was mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu tun hat. Und weil bei schriftlicher Kommunikation Ausdruck, Grammatik und Rechtschreibung nun mal maßgeblich den Sinn transportieren. Wenn ich in diesem Medium verstanden werden will, dann muss ich entsprechende Sorgfalt walten lassen. Ich kann auch nicht in Italien mit den Händen rumfuchteln und „si“ und „no“ und „subito“ schreien und erwarten, dass sich alle Italiener bemühen, mich zu verstehen und mir weiterhelfen. Es ist MEIN Job, dafür zu sorgen, dass ich verstanden werde. Genau dafür gibt es – auch außerhalb der Sprache – Regeln. Damit Konflikte umgangen werden, wenn sich jeder daran hält. Zu meinen, dass sie auf einen selbst nicht zutreffen, ist unsozial und arrogant.

Und wenn ich noch einmal einen Kommentar a lá „du weißt ja gar nicht, ob der Schreiber vielleicht Legastheniker ist“ lese, muss ich brechen. Doch. Ich weiß das. Legasthenie hat nämlich typische Anzeichen. Und dazu zählt NICHT die Unfähigkeit, Groß- und Kleinschreibung anzuwenden oder das Nichtanwenden jeglicher Kommaregel, so dass mein Leser gezwungen ist, jeden Satz dreimal halblaut zu lesen, eher er versteht, was ich meine. Das sind Unachtsamkeit und Ignoranz.

So, wer bis hierhin mitgelesen hat: Das musste mal raus. Danke fürs „Zuhören“.

 

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