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Archiv der Kategorie: Mittelalter

Näh-Projekt „Edelkleid“ – Endstand

So… lange war es still auf meinem Blog, aber das lag gleich an mehreren Tatsachen: Zum einen ging es beruflich gerade ziemlich rund, weil sich bei uns sehr viele Strukturen ändern, zum anderen hat mich letzte Woche eine richtig fiese Virusinfektion erwischt und  mehrere Tage außer Gefecht gesetzt.

Da jetzt am Wochenende aber das Larp stattfand, auf dem ich das Kleid gebraucht habe, war es ein ziemlicher Gewaltakt, das Ding noch fertig zu bekommen – manche Tage nur stundenweise. Deswegen habe ich auf mein Vorhaben über Bord geworfen, den Fortschritt zu dokumentieren und das Ding durchgekloppt.

Aber es hat geklappt, und ich bin richtig stolz darauf. 🙂

Nur nochmal kurz zur Erinnerung, das hier war der Entwurf:

Kleid Scan

Wie es immer so ist, gab es in der Umsetzung dann einige Änderungen. Bei mir waren das:

– keine gelben Zierbelege an dem blauen Übergewand (die Stoffarten harmonieren im direkten Kontrast nicht gut, das Leinen war zu fein und zu leicht)

– tiefer Ausschnitt statt Stehkragen am Überkleid

– weißes Futter im Überkleid

– statt einer Frontschnürung Posamentenverschlüsse vorne

– Y-Gürtel aus gelbem Stoff zusätzlich

So, und damit genug gesagt, das Ergebnis sieht so aus (bitte entschuldigt die Knitterfalten, Leinen ist echt der Killer):

Kleid1 Kleid2Kleid3

Der Schnitt des Unterkleides ist ein einfacher mittelalterlicher Bliaut-Schnitt, der an der Taille geschnürt wird:

Kleid4

Das Oberkleid ist vom Grundschnitt her eine Weste mit Rückenschnürung. Die Posamentenverschlüsse habe ich nicht nur am Überkleid, sondern auch am Gürtel genutzt (es hat mir das Umsäubern von weiteren sechs Nestellöchern erspart):

Kleid5

Da Molly ja gefragt hatte, wie lange ich für so ein Kleid brauche, habe ich die Zeit gewissenhaft notiert – leider bin ich am Ende ins Schleudern geraten, denn durch die Krankheit hatte ich keine durchgängige Zeit „in einem Rutsch“, sondern habe viel gestückelt. Ich habe auch das geplante Unterkleid nicht mehr gemacht, das aus dem Vorschnitt entsteht, aber das wird defintiv keine vier Stunden mehr dauern.

Also, hier die Zusammenfassung der Arbeitszeit:

Anfertigung Vorschnitt: ca. 5h (dient aber später als Unterkleid und spart somit Arbeitszeit)

Übertragung Schnitt auf Stoff: ca. 1h

Zuschnitt: ca. 2,5h

Nähen Bliaut (das beinhaltet natürlich nicht nur stumpfes Zusammennähen, sondern auch Einsetzen der Keile, Füttern der Ärmel mit Futterstoff, Halsbeleg anfertigen, Schnürung ausmessen und einnähen, Saumbeleg anfertigen): ca. 14h

Überkleid: ca. 7,5h (wegen des Fütterns mit weißem Leinen und dem Ausmessen und Nähen der Rückenschnürung)

Umsäubern Nestellöcher: 3,5h

Ich hatte gehofft, dass mir die Nähmaschine des Liebsten die Arbeit abnimmt, aber leider funktioniert das Ösennähprogramm nicht sauber. Also habe ich ingesamt 32 Nestellöcher mit der Hand umsäubert – ganz nett, wenn man wegen Schwindel eh nur auf der Couch und nicht an der Nähmaschine sitzen kann. Am Ende war ich dann bei 5 Löchern pro 30 Minuten, aber den Dreh muss man erst mal herausbekommen. Dafür sehen sie ganz ordentlich aus:

Kleid6

Insgesamt stecken also rund 33 Arbeitsstunden in dem Kleid. Materialkosten lagen am Ende bei rund 125€, weil ich Kordeln und Posamentenverschlüsse noch extra gekauft habe.

Nach dem ersten Einsatz bin ich sehr zufrieden mit dem Tragekomfort gewesen. Auch wenn ich über eine ca 25cm hohe Stickerei unseres Wappenlöwen auf der linken Seite des Überkleides nachdenke… aber das ist nochmal ne andere Geschichte.

Was mich – dank der Diskussion mit der lieben Molly – interessieren würde, geschätzte Leser: Was würdet ihr für so ein Kleid ausgeben, wenn ihr es euch bestellen könntet?

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss die Magierklamotte fertig nähen. 😉

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Verfasst von - 22. März 2015 in Liverollenspiel, Mittelalter, Nähen

 

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Projekt: Überkleid zum Mitwachsen

So…. das ging schneller als gedacht: Eben habe ich die letzten Nähte an dem Auftragskleid gemacht. Jetzt muss es nur noch einmal in die Waschmaschine, und danach werden einige der langen inneren Säume per Hand fixiert.


Auftragsumriss:

Überkleid über naturfarbenes Unterkleid (dies ist bereits vorhanden)

Farben rot und blau (aktuelle Lieblingsfarben)

Material muss nicht historisch korrekt sein, lieber robust. Ich hab mich für einen roten Baumwollköper für das Kleid (ähnliche Struktur wie Jeansstoff) und grobes blaues Leinen in Leinwandbindung (für die Belege) entschieden.

Da das Mädel aktuell schneller wächst als man zuschauen kann und mit ihren zehn Jahren schon fast 1,70 groß ist (und dürr wie ein Zaunpfahl), soll das Kleid mitwachsen können. In der Länge und der Ärmellänge, aber auch etwas in der Weite. Das Kleid ist zwar weit geschnitten, aber wenn da oben mal die Pupertät einsetzt… 😉


Als Vorlage hab ich eine Tunika von mir genommen, die die Kleine auf dem letzten Markt als Notlösung anhatte, und die ich ihr mit ein paar Handnähten auf ihre Maße gekürzt hatte. So hatte ich eine perfekte Vorlage.

Et voilá, hier das Ergebnis:

Auftragsarbeit Kind (1)

Dass die Ärmel am Schulteransatz so fluffig fallen, liegt daran, dass sich auf der Innenseite gut 5cm Saum verstecken, die man noch auslassen kann. Da man die Ärmel unten nicht verlängern kann (wegen der Belege und weil es bei Trompetenärmeln schwierig ist, den Stoff im Saum zu verstecken), kann man sie hier eben oben verlängern. Das sieht innen übrigens so aus:

Auftragsarbeit Kind (5)  Dieser riesige Saum muss nach dem ersten Waschen dann noch per Hand mit Blindstich umgenäht werden, also an die Saumkante rechts im Bild, damit er den Ärmel nicht „verstopft“ und drückt.

Der untere Rand des Kleides war tricky, denn hier muss man unterhalb des Beleges verlängern. Ich wollte aber vermeiden, dass der Beleg komplett abgetrennt werden muss, wenn es denn mal so weit ist. Das habe ich gelöst, indem ich den Saum sehr großzügig umgenäht habe und dann den Beleg nicht wie einen Beleg, sondern wie eine Borte aufgenäht habe, also nicht fest mit der unteren Kante vernäht. Das heißt, man kann später die obere Saumkante auftrennen und runterklappen, die untere Saumkante bei Bedarf nochmal knapp umnähen und hat dann unter dem blauen Beleg nochmal rund 8 cm zusätzliche Länge. Und der Beleg ist dann eben eine auf Abstand gesetzt Borte.

Auftragsarbeit Kind (3)

Zu guter Letzt – ganz klassisch: weite, erst an der äußersten Kante versäuberte Seitennähte – auf die Art lassen sich da ganz nach Bedarf auch nochmal 1-2cm pro Seite gewinnen. Und durch Nahtführung kann man auch nur in Teilbereichen – z.B. Brustumfang – Stoff zugeben und den Rest schmal lassen.

Auftragsarbeit Kind (6)

Jetzt braucht die Kleine nur noch nen Gürtel und fertig ist das Geburtstagsgeschenk zum 10.

 
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Verfasst von - 9. Februar 2015 in Mittelalter, Nähen

 

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Es geht weiter – Nähsaison 2015

Nach dem Ende der Larp-Saison war irgendwie die Luft raus – so viele Nähprojekte, und keine Motivation, eines davon anzugehen. Nach Weihnachten habe ich mich mühsam durchgerungen, zumindest das Kleid für die Tochter eines Freundes zu nähen – doch zwischen den Überlegungen, wie ich die Nähte und Verzierungen so anbringe, dass das Kleid noch ein paar Zentimeter mitwachsen kann, und dem Abschluss des Projektes gab die Nähmaschine des Liebsten den Geist auf.

Natürlich habe ich eine eigene. Aber seine ist – naja, meine ist ein kleiner, robuster, aber immer ein bisschen zickiger Opel Corsa. Die des Liebsten ist ein SLK. Jedenfalls hab ich dann das Projekt in die Ecke geworfen gelegt und nach einigen Wochen die Maschine zur Wartung gebracht.

Jetzt  ist sie wieder da und schnurrt wie ein Miezekätzchen. Und nach einem DSA-Zockwochende bei Freunden ist auch meine Motivation für mein eigenes Projekt wieder größer. Also hab ich mich gestern mal wieder drangesetzt und das Kleid in einem Rutsch fast zu Ende gebracht. Nur noch die Ärmel müssen rein. Das folgt dann heute Abend. Und ein Bild gibt es dann auch. 🙂

 
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Verfasst von - 9. Februar 2015 in Liverollenspiel, Mittelalter, Nähen

 

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Urlaubserinnerung

Als der Wecker klingelt, ist es noch dunkel um mich. Ich taste nach dem Handy und schalte die Harfenklänge aus. Dabei spüre ich, wie meine Hand von Kühle umfangen wird. Ich blinzele und werde langsam wach.

Es ist still, von draußen dringen nur wenige Geräusche in unser mollig warmes Nest. Vereinzelte Stimmen von weiter weg, irgendwo hackt jemand Holz. Langsam werden die Umrisse vor meinen Augen klarer. Der Ofen spendet ein wenig gelb glimmendes Licht, und von draußen dringt das erste Tageslicht herein. Ich wühle mich unter meinen Decken hinüber zur Hand des Liebsten und drücke sie. Ankuscheln ist nicht auf den Feldliegen, außerdem stecken wir beide auch noch in Schlafsäcken. Aber Händchenhalten geht.

Als die Harfe ein zweites Mal erklingt, schäle ich mich aus dem warmen Nest. Eigentlich mag ich keinerlei elektronische Geräte im Urlaub um mich haben, aber hier drinnen wird es so spät hell, dass ich die ruhigen Morgenstunden verschlafen würde, und das kann ich nicht leiden.

So schnell es geht, schlüpfe ich in Rock und Tunika und werfe eine Wollcuculle über mich. Dann schlüpfe ich in Filzpantoffeln und Holzschuhe und knüpfe den Zelteingang auf.

Draußen ist es klar und kalt. Der Himmel ist blau und strahlend schön. Die Sonne ist schon aufgegangen, aber ihre Strahlen berühren noch nicht den Bergfried hoch über mir, und unsere Lagerwiese liegt ebenfalls noch in schattiger Kühle.

Ich lasse den Eingang vorsichtig zufallen und gehe über das Gras Richtung Toilette. Bei jedem Schritt netzt Tau meine Schuhe und den Rocksaum. Ich gehe langsam und vorsichtig, denn ich muss einen steilen Hang hinauf, dessen Gras plattgetreten ist von den vielen Füßen, die in den letzten Tagen hier entlang gelaufen sind.

Als ich wieder aus dem Häuschen trete, lugen die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Wald hervor und tauchen die Burgmauern in warmes Licht. Ich bleibe einen Moment stehen und sehe mich um.

Vor mir liegt das Lager, die meisten Gruppen noch in tiefer Stille. Einige Feuer brennen schon, und der Rauch schwebt über den Zelten und Baldachinen. Er mischt sich mit den letzten Nebelschwaden, die über der Wiese schweben. Unterhalb der Wiese liegt das Tal im Nebel verborgen, und auch hinter der Burg verschwindet die umliegende Welt im weißen Nichts. Wir sind hier oben alleine. Ganz alleine. Ich atme tief ein und genieße die Stille, das Licht und die Ruhe um mich.

Als ich wieder ins Lager komme, ist schon der Liebste wach und hackt Holz. Ich setzt mich zu ihm auf unsere Bank und schaue ihm zu, wie er nach dem Hacken die kleinen Scheite in der Feuerstelle aufschichtet und dann mit Hilfe von Papier und Wachs entzündet. Bald prasselt ein kleines Feuerchen, und ich fülle den Wasserkessel, um ihn auf einem kleinen Dreibein in die Flammen zu stellen. Jetzt heißt es warten. Und weil es noch immer kalt ist, wuseln wir beide ein bisschen herum. Während er unsere Kaffeekanne mit Kaffee befüllt und die Becher auswäscht, trage ich die Flaschen und Krüge vom gestrigen Abend zusammen, um das Chaos ein bisschen zu beseitigen.

Es dauert, bis das Wasser kocht. Wir reden nicht viel, eigentlich gar nichts. Aber es tut gut, dieses stumme Warten, diese eigenartige Mischung aus Abwarten und Herumräumen. Das liebe ich am mittelalterlichen Lagerleben. Man lernt wieder, was Zeit eigentlich ist. Dass es Dinge gibt, die einfach Zeit brauchen, und dass man nicht immer alles sofort haben kann. Wer hier oben Kaffee oder ein warmes Essen will, muss sich Zeit dafür nehmen. Fürs Holzhacken, für das Feuer, für die Hitze, die letztlich das Wasser zum Kochen bringt. Wir sind alle nur Staub in diesem Universum, und egal, wie sehr wir uns diese Welt und ihre Zeit untertan zu machen versuchen, sind wir nur eine Hand voll Moleküle in einer uns im Grunde unbegreiflichen Welt.

Wenn ich am Feuer sitze und es ansehe, wenn ich spüre, wie mir die tanzenden Flammen Wärme spenden, die über mein Gesicht flutet, dann merke ich, dass ich ein Mensch bin. Ein Mensch, der hier oben, in diesem Zeltlager, auf die lebensspendende Kraft des Feuers genauso angewiesen ist wie seine Vorfahren von 10.000 Jahren.

Das Wasser kocht, und der Liebste gießt den ersten Kaffee auf. Der Duft steigt mir in die Nase, und ich freue mich auf den ersten Becher. Noch muss ich ein paar Momente warten, bis er gezogen ist.

Endlich ist es soweit. Ich genieße jeden Schluck.

Wann habe ich im Alltag dazu schon die Zeit?

 
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Verfasst von - 6. Oktober 2014 in Mittelalter, persönliches, Stories

 

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Der susepedias neue Kleider(stange)…

So, nachdem wir endlich den Vermieter erreicht haben und geklärt haben, dass der Liebste Löcher in die Kellerdecke bohren darf, haben wir endlich eine stabile Kleiderstange für unsere Larp- und Mittelalterklamotten. Das wollte ich Euch nicht vorenthalten. 🙂

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Wie man an den leeren Bügeln links sieht: Da fehlt ein ganzer Sack, denn ab morgen geht es für 9 Tage auf einen Mittelaltermarkt. Das heißt, etwa 50% der Kleidung fehlt hier.

Die Sachen, die da hängen, sind übrigens zum größten Teil selbst genäht (außer den Mänteln in der Ecke und den zwei Ballkleidern in der Mitte).

 
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Verfasst von - 25. September 2014 in Liverollenspiel, Mittelalter, Nähen

 

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