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Schlagwort-Archive: Flüchtlinge

Offene Fragen

Heute werden der Liebste und ich bei meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zum Mittagessen sein.

Der gute Xaver kommt aus Sachsen und ist eigentlich ein ganz guter Kerl, und vor allem tut er meiner Mutter nach dem Tod meines Vaters als ruhiger Gefährte gut. Nur leider haben Xaver und ich ein Problem miteinander, seit er mir als als Lektüre das „Deutschlandprotokoll“ empfohlen hat.

Regelmäßig geraten wir über politische Ansichten aneinander, zumal er mit seinen Infos von Kopp, Pedigaseiten etc. meine Mutter regelmäßig zu Statements bringt, die sie eigentlich gar nicht versteht. Er gehört zu der Klasse Menschen, denen die Welt zu kompliziert geworden ist und die sich in Verschwörungsmythen flüchtet, um das Gefühl zu bekommen, der Unübersichtlichkeit dieser Welt nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern im Gegenteil etwas „durchschaut“ zu haben, was andere Menschen nicht sehen – Weltverschwörung und so. Und wie das meist so ist, gehen hier Angst und Fremdenfeindlichkeit Hand in Hand… denn der Fremde könnte mir ja etwas von dem bisschen wegnehmen, das ich mir hier mühsam durch alle Unsicherheiten gerettet habe.

Jetzt ist da heute ein Essen angesetzt. Und ich frage mich, was ich ihm entgegensetzen kann, wenn er damit anfängt, die Flüchtlinge seien schuld an den Anschlägen von Paris, und die unkontrollierte Zuwanderung sei von Anfang an ein Fehler gewesen, und Merkel wäre eine Volksverräterin etc.

Seit heute weiß man wohl, dass mindestens einer der Attentäter wirklich als Flüchtling über Griechenland eingereist ist. Erst hatte ich gehofft, es wäre nur der Pass, der in Griechenland zur Registrierung genutzt wurde, aber es gibt wohl Fingerabdrücke.

Was sage ich diesem Mann heute?

Ich bin nach wie vor felsenfest überzeugt, dass es unsere humanitäre Pflicht ist, den Flüchtlingen zu helfen (und das unabhängig von unserer Vergangenheit!), und auch das Risko in Kauf nehmen müssen, dass da eben schwarze Schafe dabei sind. Aber ich bin nicht so blind, zu leugnen, dass ein reines „Grenzen auf“ in Deutschland alleine nicht dauerhaft möglich ist – es muss eine sinnvolle zentrale Steuerung geben, und auch die anderen EU-Länder müssen mitziehen – und nicht wie Polen jetzt einfach einen Rückzieher machen. Wir sind Europa, und nicht nur, wenn es darum geht, Subventionen einzusacken, sondern auch bei Problemen, verdammt noch eins!

Nur: Was sage ich Xaver heute, wenn er triumphierend „Das war doch klar“, „Diese Regierung wird sich selbst zerlegen“, und „Wir geben Milliarden aus, um die durchzufüttern, und die sprengen uns in die Luft“ oder ähnliches von sich gibt?

Vielleicht weise ich ihn einfach darauf hin, dass auch er zu den 17 Millionen „Flüchtlingen“ von 1990 gehört, die bis heute von uns per Soli unterstützt werden… was wäre denn gewesen, wenn unsere Politk damals aus Angst vor der Sowjetunion nicht mutig auf Konfronationskurs gegangen wäre?

Das mag zwar auch polemisch sein, und es ist genauso verallgemeinert wie seine Positionen, aber vielleicht bekomme ich ihn damit ja wenigstens zum Schweigen.

 
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Verfasst von - 15. November 2015 in Gesellschaftliches, Politisches

 

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