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Offene Fragen

15 Nov

Heute werden der Liebste und ich bei meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zum Mittagessen sein.

Der gute Xaver kommt aus Sachsen und ist eigentlich ein ganz guter Kerl, und vor allem tut er meiner Mutter nach dem Tod meines Vaters als ruhiger Gefährte gut. Nur leider haben Xaver und ich ein Problem miteinander, seit er mir als als Lektüre das „Deutschlandprotokoll“ empfohlen hat.

Regelmäßig geraten wir über politische Ansichten aneinander, zumal er mit seinen Infos von Kopp, Pedigaseiten etc. meine Mutter regelmäßig zu Statements bringt, die sie eigentlich gar nicht versteht. Er gehört zu der Klasse Menschen, denen die Welt zu kompliziert geworden ist und die sich in Verschwörungsmythen flüchtet, um das Gefühl zu bekommen, der Unübersichtlichkeit dieser Welt nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern im Gegenteil etwas „durchschaut“ zu haben, was andere Menschen nicht sehen – Weltverschwörung und so. Und wie das meist so ist, gehen hier Angst und Fremdenfeindlichkeit Hand in Hand… denn der Fremde könnte mir ja etwas von dem bisschen wegnehmen, das ich mir hier mühsam durch alle Unsicherheiten gerettet habe.

Jetzt ist da heute ein Essen angesetzt. Und ich frage mich, was ich ihm entgegensetzen kann, wenn er damit anfängt, die Flüchtlinge seien schuld an den Anschlägen von Paris, und die unkontrollierte Zuwanderung sei von Anfang an ein Fehler gewesen, und Merkel wäre eine Volksverräterin etc.

Seit heute weiß man wohl, dass mindestens einer der Attentäter wirklich als Flüchtling über Griechenland eingereist ist. Erst hatte ich gehofft, es wäre nur der Pass, der in Griechenland zur Registrierung genutzt wurde, aber es gibt wohl Fingerabdrücke.

Was sage ich diesem Mann heute?

Ich bin nach wie vor felsenfest überzeugt, dass es unsere humanitäre Pflicht ist, den Flüchtlingen zu helfen (und das unabhängig von unserer Vergangenheit!), und auch das Risko in Kauf nehmen müssen, dass da eben schwarze Schafe dabei sind. Aber ich bin nicht so blind, zu leugnen, dass ein reines „Grenzen auf“ in Deutschland alleine nicht dauerhaft möglich ist – es muss eine sinnvolle zentrale Steuerung geben, und auch die anderen EU-Länder müssen mitziehen – und nicht wie Polen jetzt einfach einen Rückzieher machen. Wir sind Europa, und nicht nur, wenn es darum geht, Subventionen einzusacken, sondern auch bei Problemen, verdammt noch eins!

Nur: Was sage ich Xaver heute, wenn er triumphierend „Das war doch klar“, „Diese Regierung wird sich selbst zerlegen“, und „Wir geben Milliarden aus, um die durchzufüttern, und die sprengen uns in die Luft“ oder ähnliches von sich gibt?

Vielleicht weise ich ihn einfach darauf hin, dass auch er zu den 17 Millionen „Flüchtlingen“ von 1990 gehört, die bis heute von uns per Soli unterstützt werden… was wäre denn gewesen, wenn unsere Politk damals aus Angst vor der Sowjetunion nicht mutig auf Konfronationskurs gegangen wäre?

Das mag zwar auch polemisch sein, und es ist genauso verallgemeinert wie seine Positionen, aber vielleicht bekomme ich ihn damit ja wenigstens zum Schweigen.

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13 Kommentare

Verfasst von - 15. November 2015 in Gesellschaftliches, Politisches

 

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13 Antworten zu “Offene Fragen

  1. freiedenkerin

    15. November 2015 at 15:05

    Oh, weh… Meine leidvollen Erfahrungen mit einem glühenden Verschwörungstheoretiker in der Familie, und seiner Ehefrau, einer eingefleischten Pegidiotin, haben mir gezeigt, dass man mit diesen Menschen nicht distkutieren kann – da stoßen alle vernünftigen Argumente auf höchst taube Ohren. Ich habe Anfang September die Konsequenzen gezogen, und den Umgang mit meiner Verwandtschaft abgebrochen… Es tut mir leid, dass ich dir keine guten Ratschläge geben kann. Ich hoffe, ihr übersteht das Essen ohne größere Streitigkeiten…

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  2. Molly L.

    15. November 2015 at 15:24

    Fakt, fieser, gemeiner, unschöner Fakt ist: Jeder, JEDER kann raus gehen und anderen Menschen was antun. Sieh e Amokläufe. Soll man deshalb nicht mehr rausgehen? Oder mit anderen Menschen sprechen?
    Sich von Menschen in Not abzuwenden, wofür soll das die Lösung sein können?
    Im Gegenteil: Die Menschen, die da kommen, sind unsere Verbündeten! Das sind Menschen, die gegen Terror und Gewalt, und für Freiheit und Frieden sind! Und genau das ist die Chance, die sich uns gerade bietet.
    Weil einer von Million scheisse ist oder 5 oder 10 soll man alle anderen im Stich lassen?
    Wegen ein paar Lacherlichkeiten das Bundnis unter den freien Völkern verraten und tatenlos zusehen, wie Mordors Truppen immer stärker werden und ein Volk nach dem anderen auslöschen?
    Pfui!

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  3. Molly L.

    15. November 2015 at 15:26

    PS: Mit „Lächerlichkeiten“ meinte ich nicht die feigen Anschläge oder so, sondern dieses „Aber aber aber dann hab ich ka nicht mehr so viel!?“-Denken.

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  4. susepedia

    15. November 2015 at 19:41

    Hey ihr beiden, danke für Eure Worte – und ich hoffe doch sehr, dass ich das, was du, Freidenkerin, geschrieben hast, niemals selbst machen muss, es täte mir arg für meine Mutter leid. Der Nachmittag ging ganz gut rum, wir haben das Thema umschifft, weil noch anderern Familienbesuch da war, und es einfach andere Themen gibt, wenn man sich mal sieht.

    Trotzdem: Ich gehe in das Wohnzimmer und sehe die „Junge Freiheit“ auf dem Couchtisch. Mit der Headline „Treten Sie zurück, Frau Merkel!“ Und in den Regalen: Das Deutschland-Protokoll, zwei Bücher von Udo Ulfkotte, zwei Sarrazin-Bücher und die Neuausgabe von „Mein Kampf“, die jetzt mit kritischem Anhang vertrieben wird.
    Da überläuft es mich jedesmal kalt…

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    • Molly L.

      15. November 2015 at 22:54

      Oh Mann! Ich kenne solche Situationen, da dachte ich oft: „Wenn Du jetzt den Mund aufmachst, gibt es Streit!“
      Auch in Bezug auf andere, meist politische, soziale oder gesellschaftliche Themen. Und dachte dann weiter: „Sprich es einfach nicht an! Und wenn das Gespräch so draufkommt, weiche aus und wechsele das Thema, ist besser, als sich zu streiten“
      Ich HASSE Streit!
      Allerdings hat sich das bei mir sehr gewandelt und tut es noch, ich werde immer „radikaler“. Ich ducke mich nicht mehr um des lieben Friedens Willen, nicht, wenn es um so große Themen geht.
      Es ist schwierig und unschön und wahrscheinlich will irgendwann kaum noch einer was mit mir bzw. uns zu tun haben. Aber ich habe in meinem Leben oft genug geheuchelt, weggesehen und herumdiplomatisiert.
      Versteh mich bitte nicht falsch, liebe Susepedia, ich mache Dir keinen Vorwurf oder so, ist ’ne echt fiese Situation!
      Ich habe nur irgendwann angefangen mich selbst zu fragen, wie ich erwarten kann, dass Menschen für ihre Überzeugung einstehen, wenn nichtmal ich es gegenüber meiner Familie tue, wie ich hoffen kann, das Fremde verschiedener Ansichten miteinander reden, wenn ich nichtmal mit Freunden und Verwandten über so etwas reden will.
      Vielleicht bin ich aber auch nur einfach müde, mir Dummheit und Haß anzuhören.

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  5. Curima

    17. November 2015 at 18:46

    Das ist so eine ätzende Situation. Hatte ich auch gerade erst (falls es dich interessiert: https://xeledonsspiegel.wordpress.com/2015/11/17/pegida-man-killed-the-rollenspieltour/) – und ich hatte auch null Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Vor allem, weil mich solche Menschen mit solchen Ansichten einfach von null auf 180 soooo sauer machen, dass ich kaum noch klar denken kann.
    Tatsächlich glaube ich ja, dass viele der Menschen, die so denken, einfach nur Schiss haben, dass es ihnen noch schlechter gehen wird in Zukunft, weil sie den immer stärker werdenden Abbau sozialer Einrichtungen und die immer größer werdende Arm-Reich-Schiene aus irgendwelchen Gründen nicht auf die Verantwortlichen, sondern auf die Flüchtlinge projizieren. Und ich glaube, vielen würde es sehr guttun, überhaupt mal in Kontakt mit Flüchtlingen zu kommen, statt die immer als gesichtslose Masse von „komischen fremden Menschen“ zu sehen. Aber dazu dürften wohl die wenigstens bereit sein :/

    Letztendlich bin ich da auch hin- und hergerissen. Einerseits denke ich, dass auch jemand, der sich in Pegida-Ideologien verrannt hat, womöglich mit den richtigen Argumenten und der nötigen Geduld wieder davon abgebracht werden kann, andererseits habe ich wenig Lust und Energie, mich mit solchen Menschen überhaupt abzugeben. Ich denke, dass schon die klare Ansage, dass man denjenigen mit solchen Ansichten nicht für einen besorgten Bürger, Patrioten oder sonstwas, sondern ganz klar für einen Rassisten, einen Rechtsextremen, einen Nazi hält und es daran nix zu beschönigen gibt, mag vielleicht helfen, weil viele Pegidioten ja drauf beharren, dass sie keine Nazis sind. Aber das hat Sascha Lobo neulich schöner aufgeschrieben, als ich das zusammenfassen kann: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/internet-kommentare-immer-her-mit-der-nazikeule-kolumne-a-1062231.html

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    • susepedia

      17. November 2015 at 19:05

      Den Artikel von Lobo hab ich auch schon gelesen. Der ist so wahr. Genauso wie der darüber, was Pegidaparolen mit Netztrollen gemein haben.

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      • Curima

        17. November 2015 at 19:36

        War denn bei dem besagten Essen das Thema noch mal aktuell? Ich bin ja heilfroh, dass wir schon aus dem Urlaub zurückwaren, als die Anschläge in Paris waren (also … über den Zeitpunkt, natürlich nicht über das Geschehen). Das hätte sonst vermutlich noch richtig Stress gegeben.

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  6. Shitlord

    2. Dezember 2015 at 13:17

    Ist zwar ein bisschen spät, aber: Erkläre einfach, dass die Flüchtlinge/Terroristen/BöseGruppe nichts dafür können, weil das alles von den Amerikanern mit Infraschallwellen aus dem HAARP-Array über Gedankenkontrolle gesteuert wird. Wenn er das dann als absurde Verschwörungstheorie abtut, erkläre ihm, dass das _genau_ das Problem ist, was die Flüchtlinge/Terroristen/BöseGruppe auch haben, und das an Iod-Zusätzen im Trinkwasser liegt, dass das keiner merkt, weswegen man „sicher“ nur [beliebiges öko-Getränk, z.B. Bier, Club Mate…] trinken kann. Das dann einfach eskalieren, bis er sich doof vorkommt. Bei meiner Schwiegermutter ging das schnell. Wenn Du nicht so fit bist mit Verschwörungstheorien, denk Dir einfach was abstruses aus. Fachbegriffe plus was esoterisches helfen, z.B. „tektonische Schwingungen“. Muss keinen Sinn machen. Aber ernst bleiben!

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    • susepedia

      2. Dezember 2015 at 13:18

      Grandioser Tipp! Das merke ich mir für das Weihnachtsessen.

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      • Shitlord

        2. Dezember 2015 at 14:02

        Fairerweise sei erwähnt, dass das nicht zuverlässig funktioniert. Seit ich meiner Schwiegermutter erklärt habe, dass der positive Effekt der Bergkristalle, die sie ins Trinkwasser gibt, physikalisch auf ungebundenen Cu138-Ionen beruht, die sich in tschechischen 10-Kronen-Münzen in hoher Konzentration finden, sind jetzt Bergkristalle _und_ 10-Kronen-Münzen im Wasser. Die, wie ich danach festgestellt habe, wirklich kupferbeschichtet (Cu29) sind, was rein gesundheitlich nicht so prall ist. Aber dafür hat sie ja die Bergkristalle.

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      • susepedia

        2. Dezember 2015 at 14:55

        Vielleicht sollte sie das Wasser zur Sicherheit noch durch ihren Aluhut filtern… die am Aluminium haftenden Cu-Ionen verstärken dann noch die transmittierende Wirkung. Sie muss nur aufpassen, dass sie damit dann nicht an trockenen Hochdrucktagen rausgeht. Sonst zieht der Hut die Silberionen aus den Chemtrails an. Da kann dann auch der Bergkristall nicht mehr helfen.

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      • Shitlord

        2. Dezember 2015 at 14:56

        Ich sehe, Du verstehst 😉

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