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Halloween – Alptraum

09 Nov

Halloween 2006, gegen 5.00 Uhr früh.


Anoush ist nach dem Treffen mit den beiden anderen auf dem Heimweg.

Halloweennächte waren auch schon mal spannender, denkt sie. Aber es wird langsam schwer, den Kunstpark oder auch das P1 als immer wieder neues und aufregendes Jagdgebiet zu betrachten. Am Ende des Jahres vollendet sie das siebte Jahr als Kainskind. Und schon jetzt, seufzt sie innerlich, fängt mich die Stadt an zu langweilen. Wie soll das zukünftig werden?

Immerhin, seit der Blutjagd verbringt sie recht viel Zeit mit den beiden anderen jungen Neugeborenen. „Killerklüngel“ hat Christoph die Gruppe scherzhaft genannt, und sie hatte geschnaubt und irgendwas nach ihm geworfen. Natürlich ist er ausgewichen, und natürlich hat er nicht daran gedacht, die Bezeichnung aufzugeben. Aber egal, wie es genannt wird: Sie mag das Trio, das sie bilden. Irgendwie. Es sind keine Clansgeschwister, aber trotzdem gibt es eine Art von Austausch zwischen ihnen, seit der Jagd vielleicht sogar eine Art von Verbundenheit. Zumindest, denkt sie nüchtern, solange sie mir nicht im Weg stehen.

Anoush parkt ihren Wagen in der Tiefgarage und geht zum Aufzug. Zischend öffnen sich die Türen, und ihr kommen zwei Hausbewohner entgegen, verschlafen, müde, auf dem Weg zur Arbeit. Sie nickt ihnen zu; es sind immer die gleichen Gesichter um die gleiche Uhrzeit. Die Hausbewohner glauben, dass sie irgendwo arbeitet, wo es Nachtschichten gibt. Irgendwann mal hat sie einem gegenüber auf neugierige Nachfragen mit „Security“ geantwortet und dabei undurchschaubar gelächelt. Seitdem kamen von niemandem mehr Fragen.

Es passiert ganz plötzlich, als sie vor ihrer Haustür steht und den Schlüssel ins Schloss steckt: Etwas springt schwer auf ihren Rücken und wirft sie gegen die Tür. Sie stolpert vorwärts und schlägt der Länge nach auf dem Boden ihres Flurs auf. Sie windet sich, versucht, an den Angreifer heranzukommen. Seine Hand krallt sich um ihr Herz, doch ihre Finger bekommen nichts zu packen.

Da ist nichts.

Sie ist allein.

Sie rappelt sich auf, wirft die Tür ins Schloss, während die fremde Hand weiterhin ihr Herz umfasst und unbarmherzig zusammendrückt. Sie ringt nach Luft, als brauche sie sie zum Atmen, sie reißt an ihrer Kleidung, als verberge sich darin ein Angreifer. Doch niemand ist da.

Panik ergreift sie.

Christoph!

Ganz plötzlich ist er da, der Gedanke an ihren Erschaffer, ohne Vorwarnung, ohne zu wissen, warum. Der Schmerz in ihrem Herzen wird übermächtig, und ihre Welt schrumpft zusammen auf den einen Gedanken. Christoph! Wo bist du? Was ist geschehen?

Anoush kauert im Dunklen, auf dem Boden ihres Flurs. Hilflos, überwältigt von Angst, wiegt sie sich vor und zurück. Sie will rennen, laufen. Aber wohin?

Plötzlich flammt ein kleines Licht im Dunkeln auf. Gleichzeitig spürt sie ein kurzes, intensives Brummen auf dem Holz des Bodens.

Ihr Handy.

Brauche dich hol mich. Jetzt! C.

 


 

Hier gibt es mehr von Anoush:

Ein Zimmer-in-dunkler Nacht

Woanders, am anderen Tag

Millenium

Herzblut

Requiem

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4 Kommentare

Verfasst von - 9. November 2015 in Pen-and-Paper-Rollenspiel, Stories, Vampire

 

Schlagwörter: , ,

4 Antworten zu “Halloween – Alptraum

  1. nandalya

    9. November 2015 at 13:20

    Wieso habe ich die beiden anderen Teile übersehen? Hm … Aber schön, dass Anoush wieder auftaucht. Geht’s blutig weiter? 😉

    Gefällt mir

     
    • susepedia

      9. November 2015 at 13:23

      Das kommt drauf an, wie meine lieben Spieler weiterspielen. *zwinker* Aber die Planung ist vielversprechend.

      Gefällt 1 Person

       

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