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PEGIDA, die Stimme des Volkes und das Mittel der Wahl – Gastbeitrag

In den letzten Wochen habe ich mir viele, sehr viele Gedanken zu dem Phänomen PEGIDA und dem Umgang damit gemacht. Ich habe auch viele Blogeinträge zu dem Thema mitverfolgt, auch die vielen tollen Eindrücke aus München von der lieben Freidenkerin, die die Gegendemos unterstützt und vor allem wunderbar fotografisch festgehalten hat. In den Medien, sei es Radio, Fernsehen oder (Online-)Print, gab es zahllose Artikel und Statements zu dem Thema und allem, was als Randerscheinung mitschwingt.

Ich habe lange überlegt, selbst etwas zu dem Thema zu schreiben, allein: Mir kam jemand zuvor. Jemand, der anders schrieb als viele andere. Jemand, der das Thema von einer ganz anderen Seite betrachtet, und der sich mit seinem Text an all jene richtet, die bei den PEGIDA- und ihren Ablegerdemos mitlaufen, aber eigentlich nur einen Weg suchen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Für Euch ist dieser Text!


Ich poste nix im Internet.

Nie!!!

Und ich äußere mich auch nicht zu politischen Themen in irgendwelchen sozialen Medien.

Aber…

Heute Abend habe ich mir auf Youtube die Interviews der Pegida-Demonstranten angesehen.
In voller Länge.
Und ja, es haben schon genug Leute Aufrufe, Appelle oder sarkastische Kommentare geschrieben. Das möchte ich hier nicht tun, zumindest nicht auf die Art und Weise, die man tausendfach zu lesen bekommt.

Was habe ich auf diesen Videos gesehen?
Menschen, die politikverdrossen sind, enttäuscht von der Regierung, enttäuscht von den Parteien. Menschen, von denen noch genug ein System erlebt haben, wo Nichtwählen ein politisches Statement war, weil es nur eine Partei zu „wählen“ gab.

Dieses Muster wiederholte sich massiv bei der letzten Landtagswahl in Sachsen. Weniger als 50% sind zur Wahl gegangen.
Ich kann auch verstehen, dass es genug Menschen gibt, die sich durch keine der zur Wahl stehenden Parteien repräsentiert fühlen.
Das Problem ist, dass eben diesen Menschen automatisch ein Desinteresse an der Politik, in diesem Fall Landespolitik, unterstellt wird. Das ist auch logisch, denn in unserer Demokratie gibt es ein Mittel, seinen Missmut über die aktuellen Parteien zum Ausdruck zu bringen, und das heißt: ungültig wählen. Seinen Stimmzettel absichtlich so gestalten, dass er nicht gezählt werden kann. Damit zeigt man, dass einem die Politik eben nicht egal ist, man aber nichts von dem wählen kann, was zur Wahl steht.

Um zur Praxis zurückzukehren:
Es ist nicht das Mittel der Wahl zu sagen: „Na, dann bleib ich halt daheim.“
Dieses Statement wird in unserer Gesellschaft nicht mehr so verstanden, wie es vielleicht der Wunsch der unzufriedenen Menschen wäre, deshalb bitte: geht wählen.

Was habe ich noch gesehen?
Menschen, die die unterschiedlichsten Sorgen und Nöte haben, die Transparente in die Luft hielten mit Forderungen, die mit Pegida genau gar nichts zu tun hatten.
Menschen, die auf die Frage, wogegen sie eigentlich demonstrieren oder was sie von den Inhalten oder dem Motto von Pegida hielten, keine Antwort zu nennen wussten, aber dann all ihre Sorgen, wegen denen sie selbst auf die Straße gehen, darlegten.

All jenen sei gesagt: Pegida ist nicht die richtige Plattform für eure Sorgen!
Jeder Bürger dieses Landes hat das Recht, seine Sorgen zu äußern und damit auch ernst genommen zu werden. Aber Pegida ist stumpfer Populismus und alleine die Namenswahl ist mehr als unglücklich getroffen.
Bestimmt sind viele der Menschen, die auf diesen „Spaziergängen“ dabei sind, keine Nazis, aber die laufen eben auch mit und die schreien leider lauter als der Rest. Deshalb pauschalisiert der Rest der Gesellschaft alle, die dort laufen, als rechts.
Im übrigen genau so, wie alle die dort laufen, „die Ausländer“ pauschalisieren, „die sich hier nur ausruhen wollen“. Gegen richtige Flüchtlinge oder ehrlich arbeitende Migranten hat bei genauerem Nachfragen niemand mehr etwas einzuwenden.
Dazu ein paar Takte:
Die jungen „Migranten“, die angeblich nichts tun, außer kriminell zu sein und Drogen zu nehmen, die gibt es nicht! Die Gruppe von Menschen, über die die Demonstranten ihren Unmut äußern, sind in den allermeisten Fällen Deutsche mit Migrationshintergrund, die als dritte oder vierte Generation in Deutschland leben, einen deutschen Pass besitzen und das Heimatland ihrer Vorfahren oft genug noch nie bereist haben. Und unter eben jenen Menschen gibt es genau so viele Kriminelle wie unter Deutschen ohne  Migationshintergrund. Es gibt auch genau so viele freundliche, fleißige, ordentliche Menschen unter ihnen.
Hier gilt dasselbe Problem wie bei der Demonstration: Die Störenfriede fallen auf, die große Masse leidet darunter.

Liebe Sachsen: Ich komme aus der Stadt Deutschlands mit dem prozentual höchsten Ausländeranteil. Wenn man dort durch die Straßen geht, sieht man viele Menschen, die den unterschiedlichsten Ethnien angehören und keiner dieser Menschen möchte einem ans Leder oder beschimpft einen auf offener Straße oder ähnliches. Jeder benimmt sich ganz normal.
Einige Demonstranten beschrieben soziale Brennpunkte. Die gibt es in jeder Stadt und die gab es auch vor 50 Jahren schon. Es wird auch immer Gegenden geben, in die sich manche Bürger nachts nicht mehr trauen, aber auch das hat nichts mit der Ethnie zu tun.
Andere bemängelten, dass es in Schulklassen mehrere Nationalitäten gäbe. Das gab es bei uns vor 15 Jahren schon. Wenn euer Kultusministerium es nicht schafft, ordentliche Bildungspolitik zu machen, hilft nur eins: wählen gehen.
Durch „Wir sind das Volk“-Rufe werdet ihr an dieser Tatsache nichts ändern.

Weiter wurde angeführt, dass in der Grundschule jetzt so schreiben gelernt werde, wie man spricht, damit „die Ausländer“ es besser lernen könnten. Diese Methode heißt „lesen durch schreiben“ und wurde von Jürgen Reichen mitentwickelt. Die ersten Grundlagen dieser pädagogischen Lehrmethode finden sich bereits im Jahr 1983. Diese bei Lehrern bis heute umstrittene Methode wurde als Alternative zum stumpfen Buchstabenlernen entwickelt und nicht extra für Migrantenkinder. Wer sich dafür interessiert, kann die Fakten gerne bei Wikipedia nachlesen.
Ich könnte noch beliebig weitere Bespiele nennen, doch möchte ich gerne ein Fazit schreiben, da ich, denke ich, genug genannt habe.
Ich finde es erschreckend, wie viele Informationsmöglichkeiten es heutzutage gibt und wie wenig sie offensichtlich genutzt werden. Ganz offensichtlich ist es bequemer, sich Allgemeinplätzen hinzugeben, anstatt die Dinge, an denen man sich stört, genauer zu betrachten. An dieser Stelle sei kurz gesagt:
BILD – ist kein Informationsmedium, sondern Dreck.
Es ist des weiteren traurig, dass die Menschen, die da auf die Straße gehen, eine falsche Plattform und eine unangemessene Methode nutzen, um ihre Probleme an die Öffentlichkeit zu tragen.

Liebe Mitbürger: Eure Probleme, wegen denen ihr dort lauft, die hört niemand. Es wird nur das gehört, was die Schreihälse, wegen denen ihr als Nazis bezeichnet werdet, von sich geben.
Wenn ihr wirklich etwas ändern wollt, gebt diesen Menschen keine Grundlage, sondern denkt über eure Sorgen einmal in Ruhe nach – und: GEHT WÄHLEN.


Ich durfte diesen Text hier teilen, mit einigen kleinen Verfremdungen, um die Anonymität zu gewährleisen.

Mit freundlicher Genehmigung von meinem Liebsten.

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