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Des Heilers neue Kleider – LARP-Näh-Projekt: Edelkleid

12 Feb

So, nachdem mein Nähtisch nun wieder frei ist, ist auch mein Kopf wieder offen für neue Projekte. Oder besser, für lang geplante Projekte – ich hatte die Liste ja schon Ende des letzten Jahres erwähnt.

IT-Hintergrund: Ich habe mir damals schon vorgenommen, meinen längstgespielten Larpcharakter mal ein bisschen zu erweitern. Sie ist Heilerin und Feldscherin, rutschte aber in den letzten Jahren auch in eine gewisse beratende Rolle hinein. Obwohl zurückhaltend und Fremden gegenüber eher ruhig, hat sie ein gutes Gespür für andere Menschen und vor allem einen gewissen Hang zum Fatalismus (Feldheiler halt), der ihr aber hilft, gewisse Situationen nüchtern und realistisch einzuschätzen („ja, werter Herr, gewiss folgen Euch die Männer in den Kampf, aber ich sage euch, dass sie es nur einmal tun werden. Die Orks sind in der Überzahl, und auch Heldenmut schützt Euch nicht vor der Gewalt ihrer Waffen. Wer auch nur einen einzigen Schlag mit so einer Axt erhält, wird in den nächsten Monaten kein zweites Mal für Euch streiten.“).

Nachdem sie also eigentlich ein eher pragmatischer Typ ist, hat sie in den letzten Jahren als Begleiter einen Ritter an ihrer Seite, der einem Orden angehört, der für den Schutz der Heiler im Feld sorgt. Durch diesen hat sie Kontakt in adlige Kreise bekommen (und weil ein paar Gruppenmitglieder ebenfalls in höhere Ränge aufgestiegen sind). Nun steht ein Besuch bei befreundeten Baronen an, und der Ritter hat der Heilerin zu verstehen gegeben, dass sie sich „was Ordentliches“ anzuziehen zulegen soll.

OT-Hintergrund: Ich will auch mal schicke Larpklamotte! *quengel*

Ideenfindung: Wie damals schon bei der Magierin erwähnt, bedeutet eine Gewandung im Larp immer mehr als „ist praktisch und hält warm“. Meine Heilerin kommt zwar ursprünglich aus gutem Haus, ist aber keine Adlige. Sie weiß sich dank ihrer Erziehung zu benehmen, führt aber seit über 15 Jahren das Wanderleben als Heilerin – und kämpfte immer wieder gegen Verleumdungen als Hexe. Entsprechend ist ihre Kleidung: Schlicht, unauffällig und vor allem praktisch. Erst ihre Gruppe, die sie vor über sieben Jahren traf, gab ihr ein Gefühl der Heimat und der Geborgenheit.

Das bedeutet: Das Kleid wird die Farben ihrer Gruppe/ihres Landes beinhalten: blau und weiß. Es soll edel sein, aber keinesfalls nach Adel aussehen. Da die mittelalterlich angelehnten Kleiderschnitte keinen großen Spielraum haben, muss die Verzierung so ausfallen, dass sie zwar schick ist, aber nicht nach „Reichtum!!!“ schreit. Also gibt es keine handgewebte Borte, keine Jaquardborte mit Gold- oder Silberfäden, keine Perlen oder Steine als Verzierungen an der Kleidung. Einzig das Innenfutter wird prächtiger und wird außerdem als Außenbeleg die Ränder des Obergewandes säumen. Der Stoff selbst ist allerdings etwas kostbarer (Damastmuster), um zu zeigen, dass das Kleid nicht billig war.

Das hier sind die Stoffe:

Stoff Edelkleid (2)

Farben:

  • weiß (also eigentlich ist es ein Altweiß, kein reines Weiß, das ist zu hart) für das eigentliche Kleid
  • gold: Futter
  • blau: Überkleid

Materialien:

  • altweißer und goldener Jaquardstoff (IT gilt das als Damast), Baumwolle mit Polyesteranteil (sind eigentlich Deko- bzw. Gardinenstoffe)
  • kornblumenblaues dünnes Leinen (reiner Naturstoff) in Leinwandbindung

Schnitt:

Unterkleid: „klassischer“ hochmittelalterlicher Bliaut-Schnitt mit Tütenärmeln und Seitenschnürung an beiden Seiten. Goldenes Futter im Ärmel und als Außenbeleg an Rocksaum und Ärmeln

Überkleid: ärmelloses Überkleid (ob mit Schulterstücken ist mir noch nicht abschließend klar), vorne kürzer, hinten mit leichter Raffung (hier wird einfach ein sehr großer Keil mittig eingesetzt, der dann Falten wirft). Stehkragen, Zierschnürung vorne, Taillienschnürung im Rücken. Alle Außenkanten mit Goldstoff belegt.

So soll das dann aussehen:

Kleid Scan

Ob die goldenen Belege tatsächlich so dick werden, ist noch in Frage. Ich muss sehen, wie das wirkt. Gleiches gilt für die „Mini-Ärmel“ des Überkleides. Vielleicht werden die auch blau, wenn der Stoff reicht.

Herausforderungen:

  • den Rapport der beiden Jaquardstoffe (die Richtung des Musters) beim Zuschneiden berücksichtigen, ohne zu viel Stoff zu verschwenden
  • den blauen Stoff sparsam zuschneiden
  • Schnürungen hinbekommen
  • Faltenwurf hinten richtig hinfuddeln
  • evtl. das blaue Kleid mit weißem Leinen füttern (könnte notwendig werden, um die Stabilität zu erhöhen, weil der Stoff so dünn ist).

Ach ja: zeitlicher Rahmen: Bis Ende März. *hust*

Lasst die Spiele beginnen.

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11 Kommentare

Verfasst von - 12. Februar 2015 in Liverollenspiel, Nähen

 

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11 Antworten zu “Des Heilers neue Kleider – LARP-Näh-Projekt: Edelkleid

  1. Molly L.

    12. Februar 2015 at 10:52

    Ohhh, was sieht das schön aus! *Seufz* Mal so aus reiner Neugier: Was kostet Dich so eine Gewandung (Ha, guckst Du: Nutz ich Fachsprache! 😉 )rein an Materialkosten? Und wie viel würdest Du dafür nehmen/nehmen müssen, wäre es eine Auftragsarbeit? Ginge das überhaupt? Da müssen ja dermaßen wahnsinnig viele Arbeitsstunden zusammenkommen …?

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    • susepedia

      12. Februar 2015 at 13:08

      Hallo Molly, bei diesem Kleid kann ich dir die reinen Materialpreise sogar ziemlich genau nennen:

      Weißer Stoff: 2,50m auf 2,80m Breite: 28€/lfm = 70€
      Gelber Stoff: 0,50m auf 2,80m Breite: 28€/lfm = 14€
      Blauer Stoff: Reststück, Sonderangebot, 1,80m auf 1,40m Breite: 27,50€

      Macht summa summarum 111,50€. Was nicht berechnet ist, sind Garne, Kordeln für die Schnürungen und ein eventuelles Leinenfutter für das Überkleid, weil cih solche Sache zuhause „auf Halde“ liegen habe. Ein Kleid, das aus Wolle besteht oder noch Schließen, Knöpfe oder Borten hat, kommt an reinen Materialkosten auf 150-200€.
      Was die Arbeitszeit angeht, ist das Ganze leider etwas komplexer. Ganz grundsätzlich ist es so, dass jeder Schneider kaum einen angemessenen Stundenlohn nehmen kann, wenn er das Stück noch verkaufen will – und ich, die als Ungelernte einfach noch langsamer als jeder Profi ist, schonmal gar nicht.
      Wie lange ich brauche, hängt maßgeblich von dem Schnitt ab. Das Kleid für das Mädel, das ich neulich gepostet habe, ging relativ schnell und würde jetzt, nachdem ich einmal das Thema „wo bringe ich große Nahtzugaben unter?“ durchexerziert habe, noch schneller gehen. Sagen wir mal 6-8 Arbeitsstunden, mit steigender Routine weniger.
      Das Kleid hier? Grundsätzlich würde ich so 20 Stunden ansetzen, weil ich den Schnitt gut kenne, aber hier kommt eine ganze Menge obendrauf, weil das Kleid in mehrfacher Hinsicht ein Prototyp ist:
      – Schnittmuster anfertigen, damit man dem Rapport gemäß zuschneiden kann
      – ca. 30 Nestellöcher für die Schnürungen per Hand umsäubern (oder rauskriegen, wie die Knopflochfunktion an des Liebsten Nähmaschine geht)
      – 14 Schlaufen für die Zierschnürung vorne nähen, plus Stoffband zum Schnüren
      – Den Faltenwurf an der Rückseite vom Überkleid austesten
      – Stehkragen am Überkleid
      – Ärmelchen am Überkleid ausprobieren
      Also sagen wir, ich käme mit 28 reinen Arbeitsstunden hin – und das ist optimistisch gerechnet! – kannst du dir überlegen, was das Kleid kosten müsste, selbst wenn ich nur 10€ Stundenlohn nähme.
      Hm…

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      • Molly L.

        13. Februar 2015 at 9:45

        Wow – Wahnsinn! Aber gut, mal andersherum gerechnet: Das wird auch sicher seeehr lange halten, oder? Ist ja dann eine sehr hohe Qualität! Und wenn man sich in einer schicken Boutique ein Abenkleid oder eins für den Abiball oder sonstwas kauft, kommt man auch nicht billiger dabei weg! Ha, wäre das nicht was für Dich? Abiballkleider machen? Meins hat damals glaube ich im Ausverkauf 250 Euro gekostet. Und ich frage mich jetzt gerade, warum mir meine Eltern das bezahlt haben, für einen Abend ist das ja schon irgendwie Wahnsinn. Gut, in eine feine Oper könnte ich damit auch – wenn ich noch reinpassen würde! 😀 😀 😀
        Vielen lieben Dank für diese interessanten Infos! Ich kann ja nicht nähne, aber kenne das vom selber Möbelbauen: Billiger kommt man da so gesehen nicht bei weg, alleine das Material kostet Unsummen. Aber dafür hält es auch ewig, etwa im Vergleich zu diesen Plastikschränken ohne echte Rückwand. Würde ich da Massivholzmöbel kaufen, wäre es auch nicht billiger, das Verhältnis Geld/Qualität rechnet sich also langsfristig schon. Und man hat natürlich immer ein Unikat! 🙂

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      • susepedia

        13. Februar 2015 at 11:13

        Ja, das mit dem Unikat ist ja auch der Hauptgrund, weswegen wir irgendwann anfingen, die Klamotten selbst zu machen. Weil as, was einem vorschwebt, von einem Schneider umgesetzt, einen arm machen würde. Hier kannst du natürlich Gewandung mit Möbel und Schneider mit Schreiner beliebig austauschen. 🙂 Und was Abiballkleider nähen angeht: ich bin ein vollkommener Noob, was moderne Schnitte und Stoffarten angeht. Ich muss das irgendwann in Angriff nehmen, aber derzeit kann ich noch nicht mal nen Reißverschluss einnähen. 😉
        Und neben der Haltbarkeit ist es halt einfach toll, wenn andere Leute sagen: Boah, das sieht klasse aus, wo hast du das her? Und du sagst „selbstgemacht“. 🙂 Ist bei deinen Möbeln sicherlich genauso.
        Was hast du denn so alles schon angefertigt? *garnichtneugierigist*

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      • Molly L.

        15. Februar 2015 at 11:41

        Kleine Schränke und Kommoden, Regale, kleine Tische, sowas. Also mittleres Segment von der Größe her, an die ganz großen Sachen (Wohnzimmertisch, Kleiderschrank) habe ich mich ncoh nicht rangewagt. Außerdem: Siehe Materialkosten, *seufz*
        Außerdem ist es eine echte herausforderung, mit 3 kleinen Kindern im Haus etwas zu lackieren, 😀

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      • susepedia

        16. Februar 2015 at 8:54

        Das glaube ich sofort! Klingt aber toll! Vielleicht ist da ja mal ein Tausch drin? Kleid gegen Nachttischschränkchen oder so? 😉

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      • Molly L.

        18. Februar 2015 at 10:01

        😀 Oh Mann, Du konnst ja auf Ideen!
        Leider muss ich zugeben, dass mein derzeitiges Leben keinen, nun, Anlass bietet, so schöne Kleider zu tragen, es würde also nur im Schrank vor sich hingammeln. 😦
        Aber wenn Du Dich in modernen Schnittmustern übst, melde ich mich, wenn ich den Literaturnobelpreis bekomme, ja? Oder wenn die Knder irgendwann aus dem Haus sind und wir Dinnerpartys für unseren erlauchten Freundeskreis geben, *seufz* 😉

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  2. Curima

    12. Februar 2015 at 14:58

    Gefällt mir 🙂 Da bin ich schon gespannt auf Fotos vom fertigen Kleid. Und schön, dass ihr nen IT-Grund gefunden habt, der Heilerin mal schicke Klamotten zuzulegen 😉

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    • susepedia

      12. Februar 2015 at 15:40

      Aber hallo, das musste mal sein. Und natürlich gibts am Ende Bilder. Ich bin ja selbst schon sehr gespannt. 🙂 Mal sehen, vielleicht dokumentiere ich auch mal den Prozess. Und ich werde mal Arbeitsstunden aufschreiben. Nachdem Molly gefragt hat, interessierts mich auch mal.

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  3. Spirit of dawn

    18. Februar 2015 at 4:32

    Schick siehts aus, guter Plan. 🙂

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    • susepedia

      18. Februar 2015 at 7:34

      Danke dir! Der Probeschnitt ist schon fertig und wartet darauf, zusammengesetzt zu werden.

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