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Stubaier Höhenweg – Teil 1

18 Sep

So, nachdem mich der Alltag wieder hat, komme ich doch endlich mal dazu, etwas ausführlicher über unseren Urlaub zu reflektieren. Die Bilderflut ist sortiert, die Bilder, die ich hier hochladen möchte, sind ausgewählt – und ich hoffe, ich überfordere mein Medienarchiv nicht. 😉

Wir sind den Stubaier Höhenweg von der Nordseite des Stubaitals zur Südseite gewandert, das ist auch die Richtung, die als die übliche angesehen wird. Zwingend notwendig ist die Richtung natürlich nicht, und die Routenlängen sind auch von beiden Seiten her in etwa identisch.

Eine Sache, die wir als „Wanderneulinge“ auch erst mal realisieren mussten, war, dass der Höhenweg nicht einfach um das Stubaital herum führt, sondern durch die Stubaier Alpen, also auch durch Höhenzüge und an Tälern vorbei, die nicht direkt an das Stubaital angrenzen. Blickt man vom Tal die Berghänge hinauf, erkennt man von dem Weg, den wir gegangen sind, eigentlich gar nichts. Er ist zu weit oben, zu weit in den Bergen drinnen, er führt über Hochebenen und über Bergkämme, durch Landschaften, die man vom Talgrund aus überhaupt nicht erahnen kann. Wir wussten im Vorfeld, dass der Höhenweg verdammt weit oben verläuft, denn ein Aufstieg vom Boden zu einer Alm (was man ja bei normalem Familienurlaub in den Alpen als „großen Aufstieg“ bewertet) ist gerade mal der halbe Weg bis zu einer der Alpenvereinshütten, die auf dem Weg liegen. Aber was das wirklich heißt, wenn man da ist… das muss man erleben. Das muss man einmal selbst gesehen haben, ehe man es begreift.

Tag 1 – Anreise

Wir kommen am ersten Tag gegen Mittag im Stubaital an. In Fulpmes, nah am Eingang ins Tal, stellen wir das Auto an der Kreuzjochbahn ab, die im Winter Skifahrer von 900m auf 2135m transportiert. Wir könnten natürlich auch zu Fuß aufsteigen. Aber angesichts von sieben langen Tagestouren, die vor uns liegen, wollen wir unsere Kräfte sparen und nicht gleich voll einsteigen. Von der Bergstation aus haben wir einen wunderbaren Blick auf den Kalkkögel, einen benachbarten Gebirgszug. Auch unsere Route führt uns hier noch über Kalkstein.

Blick auf den Kalkkögel

Blick auf den Kalkkögel

Das Wetter ist schön, aber sehr windig. Trotzdem sind wir vier voll motivert und machen als erstes mal einen kleinen Abstecher auf das Sennjoch, den ersten Gipfel in der Gegend. Der Aufstieg ist nicht wirklich lang, aber es macht Spaß, unterm Gipfelkreuz zu stehen, auch wenn es nur auf 2190m ist. Für mich wird es der einzige Gipfel bleiben, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch davon träume, den „Habicht“ oder den „Wilden Freiger“ zu meistern. Der Blick von hier oben zeigt uns das Pinnistal; von dort wollen wir am neunten Tag wieder absteigen.

Blick vom Sennjoch ins Stubaital (im Hintergrund das Pinnistal)

Blick vom Sennjoch ins Stubaital (im Hintergrund das Pinnistal)

Der erste Abschnitt der Wanderung ist kurz und nicht schwer, was sich als sehr gut entpuppt, denn der Wind ist schneidend kalt und treibt uns Kalksand in die Gesichter. Außerdem stellen zumindest der Liebste und ich sehr schnell fest, dass dünnere Luft tatsächlich direkten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat. Wir sind nicht wirklich angestrengt, schnaufen jedoch wie bei der allerersten Übungstour.

Die ersten

Die ersten „Bergbewohner“, die wir treffen

Ausblick ins Oberbergtal (rechts) und Stubaital (links)

erster Blick Richtung Stubaier Gletscher

Die Gegend hier ist sehr trocken. So weit von den wasserspendenden Gletschern entfernt mangelt es am Ende eines sehr trockenen Sommers an Wasser. Die Wiesen sind mager.

Übergang zur Starkenburger Hütte

Übergang zur Starkenburger Hütte

Nach etwa 2,5 Stunden kommen wir endlich um die letzte Biegung und sehen die Starkenburger Hütte vor uns. Und bereits heute machen wir die wohl typischste Erfahrung aller Bergwanderer: Die Hütte scheint zum Greifen nahe, doch bis man dort ist, vergeht noch einiges an Zeit, manchmal eine halbe Stunde, doch mitunter auch eine oder zwei.

Wir sind nach einer halben Stunde am Ziel und beziehen unser erstes Nachtlager auf einer Hütte. Und erfahren gleich, was Wassermangel in den Bergen bedeutet: Die Duschen sind gesperrt, die WCs im Haus auch. Statt dessen stehen Dixies vor der Nebenhütte. Doch wir haben mit solchen Eventualitäten gerechnet, und als Liverollenspieler weiß man, dass man einen Abend ohne Dusche auch überleben kann. Der Betrieb auf einer DAV-Hütte ist für den Liebsten und mich ungewohnt, und wir sind froh über unsere beiden Begleiter, die das alles kennen und uns einiges zum Ablauf erklären. Essen gibt es um 18h, was mir anfangs sehr früh erschien, doch nach einer leckeren Mahlzeit merke ich die Bettschwere. Wir genießen noch den Ausblick, ehe wir um kurz nach 20h todmüde ins Bett fallen. Der nächste Tag wird lang: Sieben Stunden sind angegeben, für eine Strecke von 15km und knapp 450 Höhenmetern.

Willkommener Anblick: Die Starkenburger Hütte.

Willkommener Anblick: Die Starkenburger Hütte.

Die Stubaier Gletscher liegen noch in weiter Ferne. In drei Tagen wollen wir dort sein.

Die Stubaier Gletscher liegen noch in weiter Ferne. In drei Tagen wollen wir dort sein.

Die Route für den nächsten Tag: An der rechten Flanke des Oberbergtals entlang zur Franz-Senn-Hütte.

Die Route für den nächsten Tag: An der rechten Flanke des Oberbergtals entlang zur Franz-Senn-Hütte.

Tag 2 – Tagestour1: Von der Starkenburger Hütte zur Franz-Senn Hütte

Als morgens um sechs der Wecker klingelt, höre ich ein eigenartiges Geräusch. Ein Blick in den heller werdenden Morgen offenbart mir: Es regnet. Ein Segen für Natur und Hüttenwirt. Für uns eher lästig.

Beim Frühstück erzählt uns unser Begleiter, dass er bereits mit dem Hüttenwirt gesprochen hat. Der Regen soll bis mittags nachlassen. Da die Strecke, die wir vor uns haben, zwar lang ist, aber nicht mit schwierigen Auf- oder Abstiegen verknüpft ist, machen wir uns, mit Regenkleidung geschützt, gegen acht auf den Weg. Der Feuchtigkeit ist auch die geringe Menge an Fotos geschuldet.

Regen und Wolken an Tag 2

Regen und Wolken an Tag 2

Der Weg führt durch zahlreiche Geröllflächen; in einer davon entdecken wir ein wachehaltendes Murmeltier. Leider hat keiner von uns die Kamera schnell genug griffbereit, und so verschwindet das Tier, ohne dass wir es bannen konnten.

Der Regen setzt meiner Laune massiv zu, zumal ich gegen elf Uhr feststellen muss, dass meine Schuhe wirklich nicht mehr wasserdicht sind. Mit nassen Socken macht Wandern keinen großen Spaß. Zum Glück kommen wir gegen eins auf der Seducker Hochalm an, einer kleinen bewirtschafteten Hütte. In dieser drängeln sich alle Wanderer, die am Morgen ebenfalls auf unserer Route aufgebrochen sind. Es ist eng, warm und sehr feucht in der Hütte, doch der Almwirt behält die Gelassenheit und versorgt alle mit Getränken und Essen. Alleine dies, die Wärme und das Gefühl, dem Regen entkommen zu sein, hebt meine Stimmung wieder erheblich.

Als wir uns dann gestärkt und etwas getrocknet wieder auf den Weg machen, hat auch der Regen aufgehört. Die dichten Wolken, die uns jede Aussicht verwehren, begleiten uns aber bis zu dem Zeitpunkt, an dem uns der Weg ein paar hundert Meter talabwärts führt. Dort lassen wir sie plötzlich hinter uns und können das Oberbergtal und auch die Franz-Senn-Hütte vor uns sehen.

aufreißende Wolken

aufreißende Wolken

letzter Abschnitt

letzter Abschnitt

Gletscher verkünden ihre Nähe durch größeren Wasserreichtum

Gletscher verkünden ihre Nähe durch größeren Wasserreichtum

Der Tagesabschnitt ist der kilometermäßig längste, aber auch einer der leichtesten der Tour. Trotzdem müssen wir auch hier bereits an so mancher Stelle steile Auf- und Abstiege meistern, und manches Mal bin ich als Berganfänger froh, dass die Wolken uns den Blick ins Tal verwehren, denn einige Wege sind verdammt schmal und sehr nah am Hang. Ein falscher Schritt, und man rutscht 200m Richtung Tal, ohne sich irgendwo festhalten zu können. Zum Glück kann ich das an diesem Tag nur ahnen; wirklich sehen werde ich sowas erst, wenn mein Selbstvertrauen sich meiner Trittsicherheit angepasst hat.

Zwischen vier und fünf Uhr erreichen wir endlich die Hütte. Sie ist deutlich größer als die letzte, aber auch weniger persönlich. Immerhin gibt es hier kostenfreie warme Duschen, und die Zimmer sind groß genug, um unsere Kleidung zum Trocknen aufzuhängen.

Bereits an diesem zweiten Abend bin ich froh, dass wir uns bei der Reservierung für Zimmer und nicht für das (günstigere) Matratzenlager entschieden haben. Auf der Neuen Regensburger Hütte morgen haben wir nur einen Platz im Matratzenlager bekommen, und ich bin vorsichtig skeptisch. Doch heute haben wir nochmal unsere Ruhe. Ich brauche die auch. Seit mittags schmerzt mein linkes Knie, und unser Begleiter hat mir bereits nachmittags eine Stützmanschette gegeben. Also kommt heute kräftig Diclofenac auf das Knie, damit es morgen weitergehen kann.

Zimmer der Franz-Senn-Hütte

Zimmer der Franz-Senn-Hütte

Fortsetzung folgt.

Alle Bilder in diesem und den weiteren Beiträgen über den Stubaier Höhenweg sind entweder von mir oder meinen Begleitern geschossen. Die Bildrechte liegen bei den Fotografen und jegliche Verwendung durch Dritte ohne Absprache ist untersagt.

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5 Kommentare

Verfasst von - 18. September 2015 in Abnehmen & Fitness, Urlaub, Wandern

 

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5 Antworten zu “Stubaier Höhenweg – Teil 1

  1. nandalya

    18. September 2015 at 9:50

    Schöner Bericht und fast schon mystisch wirkende Bilder. Vielleicht hilft es dir, die Strapazen einer Reise als Teil des Abenteuers anzusehen. Die scheinbare Mühe gehört zum späteren Erfolg. Ändern kannst du das nicht.

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    • susepedia

      18. September 2015 at 14:21

      Naja, solche Sachen machen einem halt die eigenen Grenzen bewusst. Genossen habe ich den Urlaub trotzdem ungemein.

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  2. jaynesabbath

    18. Oktober 2015 at 21:43

    Wow tolle Bilder! Da werde ich richtig neidisch! 🙂

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