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Stubaier Höhenweg – Teil 3

07 Nov

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Tag 4 – Tagestour 3: Von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdner Hütte

Unsere Nacht im Matratzenlager ist erstaunlich erholsam, und wir erwachen am nächsten Morgen frisch gestärkt. Um kurz nach sechs werden wir alle langsam munter, und durch das winzige Dachfenster über unseren Köpfen beobachten wir, die die aufgehende Sonne den Himmel und die Berge um uns erhellt. Der Anblick ist unfassbar fantastisch und prägt sich uns allen tief in der Seele ein.

Beim Heruntergehen in den Frühstücksraum wird für mich schmerzlich klar: Die 18km-Tagestour heute werde ich nicht mitgehen. Selbst, wenn ich die Schmerzen aushalten würde, wäre ich doch langsamer als der Rest und würde die mit acht Stunden angesetzte Tour deutlich verlängern. Was wiederum weniger Regenerationszeit auf der nächsten Hütte nach sich zieht. Nein; der Liebste und ich werden heute ins Tal absteigen, auch wenn das zwei bis drei Stunden kontinuierlichen Abstieg bedeutet. Unsere beiden Begleiter werden dem Höhenweg folgen, und sie nehmen einen jungen Mann aus einer Dreiergruppe mit, die wir bereits am ersten Abend getroffen haben. Das Paar, mit dem er reist, hat festgestellt, dass ihm die Landschaft des Hochgebirges nicht zusagt. Sie werden den Rest des Urlaubes im Tal verbringen, wo es mehr Grün und vor allem Wald gibt.

Der Morgen ist in der Hütte von Chaos dominiert, denn über Nacht ist das Stromaggregat ausgefallen – irgendetwas verstopft die Turbine des kleinen Wasserkraftwerks. Während die Angestellten die Frühstückszeit dann eben ohne Strom managen, verschwindet der Hüttenwirt Richtung Tal – auch die Versorgungsseilbahn funktioniert ohne Strom nicht, und er muss im Tal irgendetwas manuell einstellen. Genaue Details erfahren wir nicht, da die Angestellten dieser Hütte mehrheitlich nur wenig Deutsch sprechen. Nach einem reichlichen Frühstück in der proppevollen Stube (tatsächlich haben wir auf dem Höhenweg keine andere Hütte mehr besucht, die bei so geringer Größe so voll war) brechen wir auf. Ein bisschen Wehmut kann ich nicht unterdrücken, als unsere Begleiter in Richtung des Hohen Mooses aufbrechen.

Blick von der Regensburger Hütte über das Hohe Moos - hinten rechts der Hochmossferner

Blick von der Regensburger Hütte über das Hohe Moos – hinten rechts der Hochmoosferner

Sie werden diese Hochebene bis zum Ende durchqueren und dort über den Grawagrubennieder steigen, der höchsten Stelle des Stubaier Höhenwegs. Es gibt Kletterstellen, die bis spät in den Sommer noch vergletschert sein können. Darüber müssen sich unsere Freunde keine Gedanken machen – der Hochmossferner hat sich so weit zurückgezogen, dass er nicht beeindruckender wirkt als ein Schneebrett.

Bald nachdem die drei losgezogen sind, brechen auch wir auf – zusammen mit den beiden Waldfreunden und den Belgiern, die heute absteigen.

Direkt unterhalb der neuen Regensburger Hütte befindet sich eine beeindruckende Steilstufe, die wir zunächst in engen Serpentinen überwinden müssen. Auf halbem Weg kommt uns der Hüttenwirt mit Grinch entgegen. Innerhalb von etwa 2,5 Stunden ist er mit seinem Hund ins Tal und wieder rauf gelaufen – nein, locker gejoggt, denn so kommt er uns entgegen. Und Grinch hat ebenfalls noch genug Energie, einen großen Stock mit sich herumzutragen.

Der Abstieg eröffnet wunderschöne Ausblicke in das Seitental, in dem die Falbesonder Ochsenalm liegt – schon direkt hinter der Steilstufe treffen wir auf weidende Rinder. Kurz vor der Alm kommen wir durch eine Niederung mit Krüppelkiefern, die in der Morgensonne wundervoll harzig duften – und mir wird wieder bewusst, dass die Alpen weiter unten deutlich grüner und fruchtbarer sind, als in der Höhe jenseits der 2000m. Nur drei Tage in der Höhe lassen einen fast vergessen, dass es hier mehr gibt als Geröll und Hochgebirgsflora.

Blick aus dem Tal herauf zur Neuen Regensburger Hütte

Blick aus dem Tal herauf zur Neuen Regensburger Hütte

Blick ins Stubaital und auf den Wasserfall des Sulzenaubaches

Blick ins Stubaital und auf den Wasserfall des Sulzenaubaches

Nach etwa zwei Stunden Abstieg kommen wir endlich auf ebeneres Gelände. Ich habe mich sehr bemüht, mit den Wanderstöcken und dem fitten rechten Knie das linke so weit als möglich zu entlasten. Trotzdem schmerzt es inzwischen, und auch das rechte meldet sich. Entsprechend erleichtert bin ich, als wir endlich dem Pfad zur Alm folgen können, der sich ab hier fast ohne Gefälle herunter zur Alm windet. Ich muss lächeln, als wir auf der Alm ankommen – zu einer Alm zu wandern, war in den Familienurlauben früher das höchste der Gefühle, und zwar wortwörtlich. Höher ist nur mein Vater geklettert, und ich glaubte damals immer, er würde einfach durch pfadlosen, blanken Fels zum Gipfel klettern, denn oberhalb der Almen gäbe es nichts mehr als Steine und Gipfel …

Die Falbesonder Ochsenalm

Die Falbesonder Ochsenalm

Wir hatten eigentlich geplant, auf der Alm zu frühstücken. Doch es regt sich hier noch nichts, und außerdem haben wir etwas länger gebraucht als geplant. Also gibt es nur eine kurze Fotopause, und dann machen wir uns die Straße hinunter auf den Weg ins Tal.

Die Falbesonder Ochsen

Der Restweg führt uns steil abwärts durch die hier hoch aufstrebenden Bäume. Es wird zusehends wärmer, und mir fällt ein, dass es im Tal derzeit fast 30 Grad hat. 1500m weiter oben ist es deutlich kühler, und ich bin sehr froh darum. Hier unten ist es fast stickig.

Wir fahren im Tal mit dem Bus zuerst in die Stadt Neustift zurück, um unsere Bargeldbestände aufzustocken, ehe es in den hintersten Winkel des Stubaitals geht: Zur Talstation der Seilbahn des Skigebiets „Stubaier Gletscher“. Hier bekommen wir aufgrund der gigantischen Dimensionen des Skizentrums einen lebhaften Eindruck davon, wie es hier im Winter zugeht. Wir sind beide keine Skifans, und die dröhnende Leere des Gebäudes, das für die Abfertigung zigtausender Skifahrer gedacht ist, beklemmt uns.

Die Fahrt zur Dresdner Hütte ist kurz, und gegen ein Uhr sind wir auf der Hütte angekommen. Der Ausstieg aus der Gondel ernüchtert uns. Denn auf den Anblick, der sich uns hier bietet, war ich nicht vorbereitet. Doch dazu mehr in Teil 4.

Die Dresdner Hütte

Die Dresdner Hütte

Den restlichen Tag nutzen wir, um uns in der Hütte einzurichten. Die Zimemr sind groß, mit Waschbecken im Zimmer, warmen Wasser und Strom. Auch hier merkt man, dass diese Hütte auf die Belegung mit sehr großen Menschenmengen ausgelegt ist. Im Winter muss es hier eng und laut zugehen. Jetzt, im Sommer, können wir genießen, dass es hier viel Platz und genug Betrieb – auch an Tagesbesuchern, die ab hier Tagestouren wandern – gibt, um eine große Auswahl auf der Speisekarte auch im Sommer anbieten zu können. Wir sind, um es simpel auszudrücken, mitten auf der Hüttentour unverhofft in einem Hotel gelandet.

Mit Kakao und Kaiserschmarrn sitzen wir auf der Terrasse und warten auf unsere Begleiter, die etwa drei Stunden nach uns über den Berg herunterkommen. Sie sind erschöpft, aber es ist alles gutgegangen. Morgen steht eine kurze Tour von nur 3-4 Stunden an. Wir beschließen, den Vormittag zu nutzen, um auf den Gletscher hinauf zu fahren. Dort gibt es eine Lehrhöhle, die in das ewige Eis gebaut wurde, die wir uns anschauen möchten.

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Verfasst von - 7. November 2015 in Urlaub, Wandern

 

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