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Große Pläne

2015 wird ein spannendes Jahr bei uns. Der Liebste wird nochmal die Schulbank drücken – Meisterschule – und ich bin immer noch nicht mit dem Gedanken durch, den Job zu wechseln. Oder hier zu bleiben und zu schauen, was weiter passiert, wenn Ende April nochmal einiges an Personal die Firma verlassen wird. Ob ich in der Hierarchie nachrutsche oder hier auf ewig als Assistentin versauern soll.

Außerdem steht auf unserem Programm: Mehr Sport. Typischer Vorsatz, aber wichtig. Der Liebste hat Sorge, während der Meisterschule schnell zuzulegen, weil er dann nicht mehr jeden Tag acht Stunden körperlich arbeitet. Und ich habe den letzten sechs Kilo, die ich für mein Empfinden noch zu viel auf den Rippen habe, und die ich seit einem Jahr nicht loswerde, den Kampf angesagt.

Unser Problem jedoch ist: Sport ohne Ziel ist doof. Wir sind beide so, dass wir nicht dreimal die Woche zum Laufen und Schwimmen gehen können, ohne zu wissen, wofür. Als der Liebste letztes Jahr noch hoffte, zur Berufsfeuerwehr gehen zu können, trainierte er für den Sporttest, und von seiner Motivation habe auch ich profitiert, denn ich bin dann einfach zu seinem Training mitgegangen. Sowas fehlt uns aber nun. Und nein – Marathontraining fällt definitiv aus. Ich finde es schon langweilig genug, ne habe Stunde übers Feld zu rennen. 🙂

Nun musste also eine Lösung her. Eine Motivationshilfe. Und da kam uns unsere Urlaubsplanung zu Hilfe. Nach einem wunderbaren Sommerurlaub im letzten Jahr – eine Woche Segeln in Dänemark – kam nun die Frage auf, was wir im kommenden Sommer machen werden. Segeln fällt in diesem Jahr aus, weil der Liebste wegen der Meisterschule nur drei Wochen Ende August frei hat, und wir mindestens zwei Wochen nach Dänemark müssten, damit sich das lohnt. Aus finanziellen, aber auch wettertechnischen Gründen am Sommerende ist das nicht die beste Option.

Aber zum Glück sind wir, was Urlaubsziele angeht, sehr flexibel – nur möglichst tief in der Natur sollte es sein. Deswegen haben wir uns für den August ein hehres Ziel ausgesucht: Wir werden den Stubaier Höhenwanderweg gehen. Acht Tage wandern, mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte, auf über 2000 Metern. Rund 100 km und 1000 Höhenmeter in einer Woche sind der Plan.

Wir sind beide aufgrund unseres Hobbys ziemlich abgehärtet, was die eventuellen Widrigkeiten der Natur angeht. Aber körperlich wird diese Woche eine echte Herausforderung und wird uns das ganze erste Halbjahr beschäftigen.

Training ist angesagt. Zum Glück haben wir hier einige Mittelgebirge in erreichbarer Nähe. Ein- und Zweitagestouren werden wir gehen, mit voller Ausrüstung natürlich, um zu testen, was man an Gewicht mitnehmen kann und auf was man verzichten sollte. Und unter der Woche wird gelaufen, um die allgemeine Ausdauer zu erhöhen.

Die erste Tour sind wir schon am Samstag gegangen. Drei Stunden, 7,5 km, 300 Höhenmeter. Mit 8 Kilo Gewicht im Rucksack. Schon während der ersten Stunde habe ich geistig 50% des Rucksackinhaltes wieder rausgeworfen. 😉

Ich bin wahnsinnig gespannt, wie wir vorankommen werden. Und falls jemand von Euch versiert im Wandern ist, bin ich Tipps rund um Ausrüstung und Vorbereitung sehr aufgeschlossen.

Das gilt übrigens auch für Tipps zur Muskelkater-Vermeidung. *aua*

 
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Verfasst von - 19. Januar 2015 in persönliches, Urlaub, Wandern

 

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Urlaubserinnerung

Als der Wecker klingelt, ist es noch dunkel um mich. Ich taste nach dem Handy und schalte die Harfenklänge aus. Dabei spüre ich, wie meine Hand von Kühle umfangen wird. Ich blinzele und werde langsam wach.

Es ist still, von draußen dringen nur wenige Geräusche in unser mollig warmes Nest. Vereinzelte Stimmen von weiter weg, irgendwo hackt jemand Holz. Langsam werden die Umrisse vor meinen Augen klarer. Der Ofen spendet ein wenig gelb glimmendes Licht, und von draußen dringt das erste Tageslicht herein. Ich wühle mich unter meinen Decken hinüber zur Hand des Liebsten und drücke sie. Ankuscheln ist nicht auf den Feldliegen, außerdem stecken wir beide auch noch in Schlafsäcken. Aber Händchenhalten geht.

Als die Harfe ein zweites Mal erklingt, schäle ich mich aus dem warmen Nest. Eigentlich mag ich keinerlei elektronische Geräte im Urlaub um mich haben, aber hier drinnen wird es so spät hell, dass ich die ruhigen Morgenstunden verschlafen würde, und das kann ich nicht leiden.

So schnell es geht, schlüpfe ich in Rock und Tunika und werfe eine Wollcuculle über mich. Dann schlüpfe ich in Filzpantoffeln und Holzschuhe und knüpfe den Zelteingang auf.

Draußen ist es klar und kalt. Der Himmel ist blau und strahlend schön. Die Sonne ist schon aufgegangen, aber ihre Strahlen berühren noch nicht den Bergfried hoch über mir, und unsere Lagerwiese liegt ebenfalls noch in schattiger Kühle.

Ich lasse den Eingang vorsichtig zufallen und gehe über das Gras Richtung Toilette. Bei jedem Schritt netzt Tau meine Schuhe und den Rocksaum. Ich gehe langsam und vorsichtig, denn ich muss einen steilen Hang hinauf, dessen Gras plattgetreten ist von den vielen Füßen, die in den letzten Tagen hier entlang gelaufen sind.

Als ich wieder aus dem Häuschen trete, lugen die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Wald hervor und tauchen die Burgmauern in warmes Licht. Ich bleibe einen Moment stehen und sehe mich um.

Vor mir liegt das Lager, die meisten Gruppen noch in tiefer Stille. Einige Feuer brennen schon, und der Rauch schwebt über den Zelten und Baldachinen. Er mischt sich mit den letzten Nebelschwaden, die über der Wiese schweben. Unterhalb der Wiese liegt das Tal im Nebel verborgen, und auch hinter der Burg verschwindet die umliegende Welt im weißen Nichts. Wir sind hier oben alleine. Ganz alleine. Ich atme tief ein und genieße die Stille, das Licht und die Ruhe um mich.

Als ich wieder ins Lager komme, ist schon der Liebste wach und hackt Holz. Ich setzt mich zu ihm auf unsere Bank und schaue ihm zu, wie er nach dem Hacken die kleinen Scheite in der Feuerstelle aufschichtet und dann mit Hilfe von Papier und Wachs entzündet. Bald prasselt ein kleines Feuerchen, und ich fülle den Wasserkessel, um ihn auf einem kleinen Dreibein in die Flammen zu stellen. Jetzt heißt es warten. Und weil es noch immer kalt ist, wuseln wir beide ein bisschen herum. Während er unsere Kaffeekanne mit Kaffee befüllt und die Becher auswäscht, trage ich die Flaschen und Krüge vom gestrigen Abend zusammen, um das Chaos ein bisschen zu beseitigen.

Es dauert, bis das Wasser kocht. Wir reden nicht viel, eigentlich gar nichts. Aber es tut gut, dieses stumme Warten, diese eigenartige Mischung aus Abwarten und Herumräumen. Das liebe ich am mittelalterlichen Lagerleben. Man lernt wieder, was Zeit eigentlich ist. Dass es Dinge gibt, die einfach Zeit brauchen, und dass man nicht immer alles sofort haben kann. Wer hier oben Kaffee oder ein warmes Essen will, muss sich Zeit dafür nehmen. Fürs Holzhacken, für das Feuer, für die Hitze, die letztlich das Wasser zum Kochen bringt. Wir sind alle nur Staub in diesem Universum, und egal, wie sehr wir uns diese Welt und ihre Zeit untertan zu machen versuchen, sind wir nur eine Hand voll Moleküle in einer uns im Grunde unbegreiflichen Welt.

Wenn ich am Feuer sitze und es ansehe, wenn ich spüre, wie mir die tanzenden Flammen Wärme spenden, die über mein Gesicht flutet, dann merke ich, dass ich ein Mensch bin. Ein Mensch, der hier oben, in diesem Zeltlager, auf die lebensspendende Kraft des Feuers genauso angewiesen ist wie seine Vorfahren von 10.000 Jahren.

Das Wasser kocht, und der Liebste gießt den ersten Kaffee auf. Der Duft steigt mir in die Nase, und ich freue mich auf den ersten Becher. Noch muss ich ein paar Momente warten, bis er gezogen ist.

Endlich ist es soweit. Ich genieße jeden Schluck.

Wann habe ich im Alltag dazu schon die Zeit?

 
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Verfasst von - 6. Oktober 2014 in Mittelalter, persönliches, Stories

 

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