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Schlagwort-Archive: Rollenspiel

Halloween, Teil 7 (Ende)

voriger Teil: hier


 

„Tiger?“, erwidert der Polizist. „Hat der Tierpark nicht Tiger?“ Der Notarzt nickt. „Einen oder zwei.“ Abrupt greift der Polizist zum Handy. „Dann sollten wir überprüfen, ob das immer noch so ist.“

„Das gilt auch für den Zirkus Krone!“, ruft ihm der Notarzt noch hinterher. Dann wendet er sich an seinen Kollegen.

„Glauben Sie das wirklich?“ Der seufzt. Dann sieht er auf, denn es ist ein weiterer Wagen angekommen: ein Leichenwagen. Zwei Bestatter steigen aus und holen eine Bahre aus dem Kofferraum. Der Gerichtsmediziner führt seinen Kollegen am Arm zwei Schritte beiseite.

„Keine Ahnung. Das – oder ein tollwütiger Fuchs.“ Er blickt hinter sich. „Ein verdammt großer, tollwütiger Fuchs.“

Als die beiden beiseite gehen, hat Edward Zeit, sich den Toten anzuschauen – es ist selbst für ihn kein schöner Anblick. Der Mann dürfte mittleren Alters gewesen sein, gekleidet in eine altmodische  Jogginghose und -Jacke. Die Ballonseide der Jacke ist so zerrissen, dass einzelne Fetzen davon überall auf dem Boden herumliegen. Der Geruch nach menschlichem Blut umgibt den Leichnam wie eine dichte Wolke. Seine Arme liegen in einem eigenartigen Winkel neben seinem Körper, als wären sie ihm gebrochen worden, als er versuchte, den Angreifer abzuwehren. Der Hals des Opfers sieht am schlimmsten aus: Als wären ganze Stücke herausgebissen – und auf der rechten Seite kann er durch die weggerissenen Muskeln die freiliegende Schlagader sehen, aus deren tiefem Riss allerdings kein Blut sickert.

Als die beiden Bestatter ankommen, zieht er sich zurück. Da es hier nichts mehr zu beobachten gibt, richtet er seine Aufmerksamkeit auf den Sanka, auf dessen Stufen, in eine Decke eingehüllt, eine Frau sitzt. Ihr Gesicht ist vollkommen verquollen, ihre Haare aufgelöst. Auf ihrem Schoß sitzt ein kleiner Hund, den sie streichelt, während ein Polizist mit ihr spricht. Edward nähert sich behutsam dem Fahrzeug bis auf Hörweite.

„Nein, wie schon gesagt“, hört er die zittrige Stimme der Frau, „es ging so schnell … es sprang ihn an, und er schrie so fürchterlich, so fürchterlich … und ich schrie auch, und dann … ich weiß auch nicht, ich dachte, es würde mich angreifen“, sie schluchzt auf, „aber dann … dann …“ Sie zögert und scheint zu versuchen, sich zu erinnern, „es lief weg … wie gejagt.“

„Lief es vor Ihnen weg?“, fragt der Polizist, und er wirkt, als habe er die Frage schon dreimal gestellt, „oder vor etwas anderem?“

„Ich weiß es nicht … in einem Augenblick wandte es sich zu mir um, und dann … dann rannte es weg.“

„Im gleichen Augenblick?“ Sie schüttelt den Kopf.

„Nein, es war auf halbem Weg zu mir. Es … es …“, sie zögert, „es wollte mich töten …“

„Und was hat es dann zur Flucht bewegt?“, hakt der Beamte nach. Die Frau schlägt die Hände vors Gesicht.

„Ich weiß es nicht!“ schluchzt sie, „ich kann mich einfach nicht mehr erinnern!“ Sie beginnt, hemmungslos zu weinen. Der Beamte reicht ihr ein Taschentuch und berührt sie beruhigend an der Schulter.

„Sie waren sehr tapfer. Sie haben mir schon sehr geholfen. Ruhen Sie sich jetzt aus.“ Er winkt einem der Sanitäter, der sich daraufhin der Frau annimmt.

Hinter Edward wird plötzlich Gebell laut. Er dreht sich um. Drei Polizisten mit Schäferhunden nähern sich der Absperrung. Und der Hund, der ihm am nächsten ist, schlägt so abrupt an, dass Edward beschließt, es sei nun ein guter Zeitpunkt, sich zurückzuziehen.

Als er wieder den Bereich der Ringbrücke betritt, bleibt er stehen und ruft nach seinem Vogel. Es ist spät geworden, und er spürt die Nähe des Tages. Da er einen Zugang in den Grundpfeilern der Brücke kennt, macht er sich darum keine Sorgen. Er wird rechtzeitig in die Dunkelheit verschwinden können.

Da hört er plötzlich ein Geräusch, fast unmittelbar hinter ihm. Erschrocken wendet er sich um.  Eine Gestalt ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Sie kann nur aus dem oberen Bereich der Brückenpfeiler heruntergesprungen sein, sonst wäre sie ihm vorher aufgefallen.  Obwohl er nicht aus dem Schatten getreten ist, drückt er sich unwillkürlich an den kalten Beton. Doch die Gestalt nimmt ihn nicht wahr. Sie wendet sich zur Hirschau und beobachtet die Szenerie jenseits der Baumgruppe.

An der Silhouette, die durch eng anliegende Kleidung betont wird, erkennt er, dass es sich um eine Frau handelt. Doch irgendetwas scheint mir ihr nicht zu stimmen. Sie humpelt, als sie sich bewegt, und ihre Jacke sieht aus, als sei der linke Ärmel an der Schulter aufgerissen. Gerade als Edward überlegt, ob er bleiben oder gehen soll, dreht sie sich abrupt um und geht. Sie kommt bis auf wenige Schritte an ihm vorbei, und er kann ein Schaudern nicht unterdrücken: Trotz der dunklen Blutflecken auf der Jacke, die von Bisswunden am Hals stammen, und der durch eine tiefe Wunde aufgerissenen Wange würde er Susanne von Wittelsbach überall erkennen.


 

Hier endet dieser Geschichtenabschnitt vorläufig, denn meine Spielgruppe ist noch nicht nennenswert weiter gekommen. Aber ich freue mich über Spekulationen meiner Leser, das passiert sein könnte und wie es weiter geht. 😉

 
 

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Halloween – Alptraum, Teil 6

Zum vorigen Teil geht es hier


 

Hoch über ihnen fliegt in einem der Bäume kreischend ein Rabe auf. Anoush blickt nach oben und sieht, dass der Himmel merklich heller geworden ist.

„Wir müssen weg hier!“, flüstert sie Christoph zu. Der nickt; gleichzeitig sieht sie an seinem Blick, dass auch er darum kämpft, mit seinem Bewusstsein wieder in die Gegenwart zu gelangen.

Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm dieses Mal, die Böschung zu überwinden. Oben angekommen tritt Anoush hinaus auf den Weg und schaut sich suchend um; um diese frühe Uhrzeit ist eigentlich immer mit Fußgängern im Park zu rechnen, den ersten Joggern oder Hundebesitzern. Grade letztere wären im Augenblick eine Katastrophe, denn trotz des Wassers riecht Christoph noch immer fürchterlich nach Blut.

Doch im Augenblick ist alles ruhig. Sie stößt einen leisen Pfiff aus, und Christoph kommt zu ihr auf den Weg. Nach einem weiteren Blick nach hinten – noch immer blitzen die Blaulichter – gehen die beiden raschen, doch äußerlich ruhigen Schrittes zum P1 zurück.

Als der dunkle Wagen in ihr Blickfeld kommt, will Anoush vor Erleichterung am liebsten aufschluchzen. Gleich ist es geschafft.

„Einen schönen guten Morgen, die Herrschaften“, tönt es in diesem Augenblick an ihr Ohr, und fast genau vor ihr erscheinen gleichsam aus dem Nichts zwei uniformierte Gestalten, von denen eine einen Hund an der Leine führt. „Wir haben einen Zwischenfall in der Hirschau, ich muss Sie um Ihre Personalien bitten… Hey! Bruno, aus jetzt!“

In diesem Augenblick sieht Anoush, dass der Schäferhund sich fast stranguliert, während er wie ein Wahnsinniger Christoph verbellt. Knurrend und zähnefletschend versucht er, sich auf den Mann zu stürzen, der sich wie ein dunkler Schatten hinter ihr ausmacht. Und dann geht plötzlich alles blitzschnell.

In dem Augenblick, in dem die Aufmerksamkeit der beiden Polizisten auf ihren Hund gerichtet ist, spürt sie die Bewegung, die ihr Erzeuger hinter ihr macht, spürt sein Knurren mehr, als dass sie es hört, und von einer Sekunden auf die andere weicht der Hund jaulend und wimmernd zurück, springt hoch und ergreift die Flucht. Sein Herrchen ist zu überrascht, um auf den plötzlichen Rückzug des Tieres zu reagieren, und so pest der Hund mit eingezogenem Schwanz in den Englischen Garten davon. Fluchend rennt der Hundeführer hinterher.

Der zweite Polizist wendet sich ebenso überrumpelt wieder den beiden zu, und Anoush ergreift blitzschnell ihre Chance. Sie berührt den Mann an der Schulter, und als er daraufhin aufschaut, bohrt sie ihren Blick in seinen.

„Keine Ursache, wir sind doch gern behilflich“, sagt sie leise und eindringlich, mit einem fast hypnotischen Singsang in der Stimme, „aber jetzt sollten Sie mal lieber Ihrem Kollegen helfen gehen. Der Hund sah nicht gut aus.“

Der Polizist schluckt, nickt und verschwindet nach einem Gruß in die Nacht. Hinter sich hört Anoush ein leises Geräusch. Es könnte ein Lachen sein, aber auch ein Stöhnen.

„Gut gemacht, Kind“, bringt Christoph mühsam hervor.

Plötzlich fällt die gesamte Anspannung von ihr ab, und sie wird wahnsinnig müde.

„Jaja … komm jetzt. ich will endlich nach Hause.“

 

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Halloween – Alptraum, Teil 5

Schon nachdem er die ersten Meter in den Park gelaufen ist, bemerkt Edward am Himmel über der Hirschau ein blau blinkendes Lichtermeer. Was auch immer der Vogel beobachtet hat, es ist offensichtlich kein Geheimnis mehr. Edward flucht leise. Er fällt in einen unregelmäßigen, humpelnden Trab, denn die Hirschau ist ein paar Kilometer entfernt.
Als er unter der Brücke des Isarrings ankommt, nutzt er die Chance, mit dem Schatten zu verschmelzen. Er pfeift seinen Vogel zu sich.
„Lass mich sehen, was du siehst“, flüstert er leise. Mercutio trippelt erregt hin und her, doch er kennt den Befehl und weiß, was zu tun ist.
Edward wartet geduldig im Schatten der Brücke. Eine Baumgruppe mit dichtem Gebüsch darunter versperrt ihm die Sicht, doch sobald er ein Bild der Lage hat, kann ihm diese noch sehr nützlich sein. Er zählt jedoch im Augenblick drei Streifenfahrzeuge, einen Rettungswagen und ein fünftes Fahrzeug, das halb hinter dem Sanka verborgen und wahrscheinlich ein Notarztfahrzeug ist.
Als der Rabe zurückkehrt, ist dieser immer noch so aufgeregt, dass es schwer ist, aus seinem Gekrächze die relevanten Infos herauszuholen. Doch schließlich weiß Edward, was ihn etwa hinter den Bäumen erwartet. Er schickt Mercutio fort; der Vogel soll die Ausgänge des Englischen Gartens im Auge behalten, vor allem die an der Prinzregentenstraße, da dort um diese Uhrzeit Jogger und Hundebesitzer unterwegs sind.
Behutsam überquert er die Freifläche bis zu den Bäumen, doch seine Vorsicht ist unnötig. Niemand ist auf dieser Seite der Bäume, der ihn sehen könnte – wenn er ihn sehen könnte.
Langsam durchquert er das Gebüsch und sucht sich einen Platz, an dem er gut sehen kann. Der Platz rund um das Geschehen ist großzügig mit rot-weißen Banderolen abgesperrt. Die Polizisten sichern den Tatort und suchen nach Spuren. Edward hat oft genug die Arbeit der Polizei beobachtet, wenn mal wieder ein Mensch seinem Leben mittels einer U- oder S-Bahn ein Ende gesetzt hat. Interessanter ist der Notarzt, der sich gemeinsam mit einem in Zivil gekleideten Mann über etwas ganz in der Nähe des Gebüschs beugt. Als er sich dorthin bewegt, erkennt er, dass das nicht das mysteriöse Tier ist, von dem Mercutio berichtet hat, sondern das Opfer.
Das erste, was er sieht, ist, dass das Gras überall nass und rot ist. Der Radius und auch die Art, wie die beiden Menschen damit umgehen, lassen darauf schließen, dass derjenige nicht mehr am Leben ist. Nach kurzem steht der Notarzt auf. Während er sich die Kleidung richtet, fragt er:
„Was schätzen Sie, Herr Kollege?“ Der richtet sich ebenfalls auf.
„Nun“, antwortet er und nimmt dabei seine Brille ab, „wie schon vorhin gesagt: Ich bin genauso ratlos wie Sie. Wenn ich mir das so ansehe…“ Er zögert, sieht auf die Gestalt herab und hebt dann die Schultern. „Es sieht aus wie der Angriff eines Tieres.“
„Ein Tier?“, erwidert der Notarzt. „Sie denken dabei nicht an einen Fuchs, nehme ich an?“ Der andere, den Edward für einen Gerichtsmediziner hält, schüttelt den Kopf.
„Nein. Ich rede hier noch nicht mal von der Größenordnung eines Wolfes.“ Er zögert. „Ich war direkt nach meinem Studium für Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka. Das hier…“ Ein Polizist in Uniform tritt zu den beiden.
„Die Umgebung wurde abgesucht“, sagt er, „außer der Augenzeugin ist niemand hier. Aber sobald die Kollegen den Park abgeriegelt haben, kommen nochmal drei Hundeführer her. Die sind noch an den Eingängen.“ Edward fällt auf, dass der Mann versucht, den Blick auf den Toten zu meiden. „Und?“
„Die Art der Verletzungen spricht für einen Tierangriff“, widerholt der Gerichtsmediziner, „die Wunden sind lang, meist nebeneinander, aber gerissen, nicht sauber geschnitten. Ein Messer fällt aus. Und ich bezweifle, dass jemand mit einer anderen Waffe so einen Schaden anrichten kann – vor allem in der Kürze der Zeit. Und dann: Schauen Sie sich den Hals an. Das ist ein Bissschema. Außer der Angreifer hat sein Tun dadurch vertuschen wollen, indem er mit zwei abgebrochenen Bierflaschen Stücke aus dem Hals des Opfers gehackt hat.“ Der Polizist tritt unwillkürlich einen Schritt zurück und hebt abwehrend die Hände. „Genug, genug! Laut der Zeugin ging das Ganze auch sehr schnell. Und auch sie spricht von einem Tier… aber sie sagt, es wäre ein sehr großes Tier gewesen.“ Der Notarzt wendet sich wieder an seinen Kollegen:
„Was wollten Sie über Sri Lanka sagen?“ Der Angesprochene zögert unmerklich, ehe er antwortet: „Ich war in einer Gegend im Nationalpark. Wir hatten da einige Angriffe, deren Spuren ähnlich aussahen. Von Tigern.“

 
 

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Halloween – Alptraum, Teil 3

Teil 1 und 2 hier


 

Halloween 2006, ca. 5.00h morgens

Edward Clay stapft langsam durch die samtene Dunkelheit. Er genießt die Stille des Parks. Natürlich ist es hier nicht wirklich still, das Wasser des Eisbaches rauscht, das welke Laub der Bäume raschelt im Wind, und die Äste knarren, als wären die braunen Blätter eine übermäßige Last.

Es ist kalt, und der Wind schneidend. Zwar stört ihn die Kälte nicht, aber der Wind lässt seinen Trenchcoat flattern und droht dauernd, ihm den Hut vom Kopf zu reißen. So ist er froh, dass der nächste Eingang in das Königreich nur noch wenige Dutzend Meter entfernt ist.

Plötzlich spürt er einen unerwarteten Druck auf der Schulter, der so plötzlich kommt, dass er einige Schritte nach vorne macht. Ein Rascheln und Flattern umgibt ihn, und etwas Spitzes bohrt sich in sein Schulterblatt.

„Tier!“, kreischt es in seinem linken Ohr, „Tier! Tier!“

Unwillkürlich greift er nach dem Angreifer. Er spürt die vertrauten Federn, die sich leicht klebrig unter seinen Fingern anfühlen.

„Ruhig, Freund, ruhig“, spricht er leise auf den Vogel ein. Unter Mühen gelingt es ihm, ihn auf seinen Arm zu bugsieren. „Mercutio, alles ist gut“, flüstert er. Doch der Vogel scheint außer sich. Nur sehr langsam wird er ruhiger. Und jetzt fällt Edward erst auf, dass der Rabe deutlich schlimmer aussieht als üblich: Auf der rechten Seite ist ein Teil seiner Federn in die falsche Richtung gebürstet, und an seinem Flügel fehlen drei Schwungfedern.

„Was ist passiert?“, fragt er. Der Vogel trippelt auf seinem Unterarm hin und her.

„Tier, Tod!“, krächzt er. Edward streichelt ihn behutsam. „Wo ist ein totes Tier?“

„Tier tötet… Tötet und jagt…“ Ihn beschleicht eine Unruhe.

„Ja und? Das tun Tiere… Du auch?!“ Mercutio schüttelt den befiederten Kopf, und einige kleine Federn sinken zu Boden.

„Tötet Mensch… Tötet jetzt..!“ Er schaut den Vogel alarmiert an.

„Wo?!“

„Hinten… Fluss…“ Der zierliche Kopf wendet sich nach Norden, über das offene Gelände des Kleinhesseloher Sees hinweg, Richtung Hirschau. Edward schaut auf die Uhr. 5.20h. Noch eine Dreiviertelstunde Nacht verbleibt.

„Zeig mir, wo!“

Laut kreischend flattert Mercutio auf und verschwindet in der Dunkelheit.

 

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Sapidas Geschichte

Vor Weihnachten habe ich auf dem Blog eine mehrteilige Geschichte online gestellt, deren Teile lose verbunden waren (wer sie nochmal in der richtigen Reihenfolge lesen will, weiter unten sind die Links).

Wer sich gewundert hat, warum ich eine so blutige und explizit den Tod beschreibende Geschichte geschrieben habe: Nein, ich fühle mich nicht zum Krimi- oder Thrillerautoren berufen. Die Geschichte ist im Rahmen eines Pen & Paper-Rollenspiels entstanden, und zwar eines sehr alten Spiels: Vampire – Die Maskerade. Das gibt es bereits seit den 90ern auf dem Markt, und der Liebste und ich haben uns vor Weihnachten entschieden, das Spiel für uns mal wieder aufleben zu lassen. Und zwar mit ihm als Spieler und mir als Spielleiter.

Meine erste Meisterrunde! Ich war und bin immer noch ziemlich aufgeregt, ob ich es schaffe, die Stimmung und Düsternis dieser Welt treffend zu beschreiben. Bisher spiele ich nur mit dem Liebsten, aber später sollen noch zwei Spieler hinzukommen.

Das, was ich online gestellt habe, war eine Zusammenfassung des Präludiums, also des „Vor-Spieles“. Gerade bei Vampire kann es sehr sinnvoll sein, sowas mit den Spielern zu spielen (möglichst mit jedem einzeln), damit diese die Gelegenheit haben, ihren Charakter richtig kennenzulernen – sich einzufinden. In dieser Variante haben wir uns sehr viel Zeit genommen, erst mal das Leben des Menschen zu bespielen. Mein Liebster hat sich eine junge Frau als Charakter ausgesucht, stammend aus einem sozial sehr schwachen Milieu, eine Kämpfernatur, die von einem Vampir den Kuss erhält (so nennt sich die Erschaffung eines Vampires), der aus einem Clan kommt, der sich eigentlich in erster Linie mit Geschäften und Finanziellem beschäftigt. Der Grund, warum sie ausgewählt wurde, ist sowohl dem Spieler als auch dem Charakter noch verschlossen. Ob es jemals ans Licht kommt, wird sich im Spielverlauf zeigen.

Vampire ist kein Heldenrollenspiel. Es geht nicht darum, eine Welt zu retten. Vampire sind Monstren, die versuchen, in ihrer eigenen Unsterblichkeit einen Sinn zu finden, Beschäftigung und Sicherheit. Und – und das ist das wichtigste – die meisten versuchen verzweifelt, die Reste ihrer Menschlichkeit zu wahren. Doch wie macht man das als fast gefühlloses Wesen, das die Jahrhunderte überdauern kann und alles Menschliche um sich herum immer und immer wieder von neuem zu Staub zerfallen sieht? Wie hält man die Bindung an eine Welt, an Werte aufrecht, die einem mehr und mehr entgleiten? Und – wie kommt man damit zurecht, dass man Menschen verletzten muss (physisch und psychisch), um zu überleben? Was bedeutet es, die Schlange am Busen der Menschheit zu sein?

Sapidas bzw. Anoushs Geschichte wird sich darum drehen. In welche Richtung sie geht, bleibt dem Spieler überlassen. So wie ich auch die Geschichten schrieb, die hier online stehen, aber mein Liebster sie spielte. Seine gespielte Version weicht von meiner geschriebenen ab, aber das macht nichts. Spielleiter müssen auf das reagieren, was ihnen ihre Spieler geben, und nicht auf ihrer eigenen Timeline bestehen. Soviel weiß ich schon.

Hier  gehts nochmal zum Anfang der Geschichte.

 
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Verfasst von - 8. Januar 2015 in Pen-and-Paper-Rollenspiel, Stories, Vampire

 

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Nähsession – der Zwischenstand

So, ich hatte ja vor einigen Wochen meine ersten Nähergebnisse hier gepostet, und natürlich möchte ich Euch das vorläufige Endergebnis nicht vorenthalten. Leider sind die Fotos nicht sooo super, und ich hoffe, nach dem ersten Live-Einsatz in drei Wochen gibt es dann etwas schönere zu zeigen.

Also, zunächst hier meine Magierin. Wer will, kann hier nochmal lesen, was meine ursprünglichen Gedanken zu der Gewandung waren. Und ich habe festgestellt: Leicht und luftig ist einfach nicht meins. Bekomme ich nicht hin. Der Gürtel (die Corsage ist gekauft) ist aus acht Stoffteilen, die jeweils aus drei Lagen bestehen, und echt sauschwer. Aber er fällt toll. *gnihihihi*

Magierin (1)

Die Farben der Gürtelteile sind identisch mit denen des Schulterüberwurfes. Also blau mit Federmuster und grauer Taft.

Magierin (2)

Was jetzt noch fehlt: Crinkle-Bluse schulterfrei (die macht mir dankenswerterweise Xenia, ich würde es zeitlich nicht schaffen) und ein blauer Wolllodenmantel mit geschlitzen Ärmeln, der mit weißem Baumwollstoff gefüttert wird (Loden kratzt nämlich ziemlich). Und ich muss mich sehr am Riemen reißen, den nicht auch gleich mit Außenbelegen und Borte aus dem Federstoff aufzuhübschen. Das kommt erst nach der ersten Con. Außerdem braucht der Schulterüberwurf noch einen Tasselverschluss, also zwei Knöpfe links und rechts und dazwischen eine Kordel.

Eine Kopfbedeckung ist im Larp essentiell: Je doofer der Hut, desto größer der Widererkennungswert des Charakters. Hier jedoch werde ich keinen Hut oder Kopftuch nutzen, sondern eine einfache silberne Tiara ohne Schnickschnack, die durch ein Haarteil mit weißen und grauen Federn ergänzt wird. Im Sommer als Sonnenschutz kann dann in die Tiara ein dünnes Tuch geklemmt werden. Zumindest ein bisschen luftig und fiedrig muss schon irgendwo sein. 😉

Als Schmuck kommen dann noch eine silberne Halskette und ein passender Handschmuck hinzu, die orientalisch angelegt sind.


Ein wunderbares Beispiel dafür, dass bei Gewandung ganz klar das Prinzip „je mehr Schichten, desto wow“ gilt, sieht man übrigens hier bei meinem Liebsten: Die Priestergewandung ist sehr schlicht geschnitten, der Stoff ist lediglich Leinen (und ja, es sind alte Bettlaken!) und wollweiße Wolle. Optische Highlights sind das goldene Futter und die goldene Borte.

Priester

So, das wars für heute. Abschlussbilder folgen dann beim ersten Einsatz. 🙂

 
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Verfasst von - 24. September 2014 in Liverollenspiel, Nähen

 

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Was ist Rollenspiel? – Gastbeitrag

So, hier kommt er: Der versprochene Beitrag zum Thema „Was stelle ich mir unter Rollenspiel vor?“

Danke an meinen Liebsten für den ersten Gastbeitrag auf meinem Blog. 😉

 

Was ist Rollenspiel?

Weil die Frage aufkam, was denn Rollenspiel ist und wie es funktioniert, will ich mich mal an einer Erklärung versuchen, die allgemein verständlich ist.

Also: Zunächst einmal will ich all jene enttäuschen, die sich jetzt irgendwelche erotischen Phantasien erhofft haben, denn damit hat die Sorte Rollenspiel, die ich hier erläutern möchte, nichts zu tun. Genauso geht es nicht um Rollenspiele, die man z.B. bei Seminaren zu Übungszwecken verwendet, und mit den Spielen, die man auf PC oder Konsole zocken kann, haben sie auch nicht viel gemeinsam, wobei letztere zumindest eine entfernte Verwandschaft erahnen lassen.

Nun, was will ich denn dann erklären?

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als ihr klein wart und eure Eltern oder Großeltern euch Geschichten vorgelesen haben, die eure Phantasie beflügelten und euch Bilder von Fabelwesen und Helden vor euer geistiges Auge malten? Oder die Welten, die sich in eurem Kopf ausbreiten, wenn ihr ein gutes Buch lest? Wenn ja, habt ihr schon das wichtigste, was man zum Rollenspielen braucht: Phantasie.

Ihr merkt, es geht um Vorstellungskraft, darum, sich in eine andere Welt denken zu können.

Es geht also um ein Spiel, das man sich vorstellt?

Quasi ja. Es geht darum, dass man sich mit ein paar Freunden, üblicherweise 2-5, gemütlich an einen Tisch setzt und spielt. Ohne Computer, ohne Karten, ohne Handy, ohne Fernseher oder Konsole.

Kommen wir zurück zu den geschichtenerzählenden Großeltern. Einer der Freunde ist gewissermaßen der Opa oder die Oma, also erzählt die Geschichte. Man nennt ihn ‚Spielleiter ‚ oder ‚Meister‘ (entlehnt aus dem englischen Wort ‚Game-Master‘). Der Rest nimmt die Rolle der Protagonisten ein, sie sind die Spieler. Wer sich bei den Geschichten seiner Großeltern das eine oder andere Mal gedacht hat: „Wenn ich an der Stelle des Helden wäre, würde ich das ganz anders machen“, der kommt hier auf seine Kosten, denn anders als bei Oma haben die Spieler hier die Möglichkeit, ihre Protagonisten innerhalb der Geschichte des Meisters frei zu bewegen. Das alles funktioniert über erzählen und beschreiben, weshalb man das ganze alternativ auch als Erzählspiel bezeichnen kann.

Wir haben also jemanden, der eine Geschichte erzählt, mehrere andere, die sich darin frei bewegen, und das Ganze muss man beschreiben und sich vorstellen. Da kann doch jeder machen, was und wie er es will… Oder doch nicht?

Man muss dem Ganzen natürlich einen übergeordneten Rahmen geben und der ist abhängig davon, welches der zahlreichen Regelwerke man verwendet. Ja, es gibt Regelwerke, ziemlich viele sogar und sie alle bedienen die unterschiedlichsten Genres, Welten und Vorstellungen. Du willst ein Elb in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt a lá ‚Herr der Ringe‘ sein, kein Problem. Du willst als Jedi-Ritter mit einem X-Wing durch den Weltraum düsen: Auf geht’s! Oder du willst dich vielleicht eher wie Mad Max in einer postapokalyptischen Welt durchschlagen? Dich gepflegt weggruseln bei einem Horrorgenre, wie Susepedia es beschrieben hat? Ein Vampir sein (der nicht besch*ssen glitzert)? Alles ist möglich, zu (fast) allem gibt es das passende System – oder besser Systeme, denn die Auswahl ist in den letzten 10 Jahren regelrecht explodiert.

Man einigt sich also auf ein System, ein Regelwerk, nach dem gespielt wird. Dieses Regelwerk gibt ein Genre vor, eine Welt, in der alles spielt. Und es gibt Mechanismen vor, nach denen die Handlungen der Spieler bemessen werden, denn sonst könnte ja jeder machen, was er will.

Wir haben jetzt also einen Meister, mehrere Spieler und ein Genre/Regelsystem… Und jetzt?

Jetzt passiert folgendes: Der Meister wird sich eine Geschichte einfallen lassen (oder sie kaufen, es gibt vorbereitete, sogenannte „Abenteuer“ von den Herausgebern eines Systems oder von dessen Fans) und den Spielern entsprechend Hinweise geben, welche Sorte von Charakter sie in dem vom Meister erdachten Abenteuer spielen können. Diese Hilfestellung des Meisters ist nicht notwendig, hilft aber ungemein, da der Meister ja weiß, was er die Spieler und somit ihre Charaktere erleben lassen möchte. Welche Charakterarten möglich sind, ist in den Regelbüchern des Systems beschrieben. Bei den meisten Systemen kann man seinen Charakter in einer Art Baukastensystem erstellen.

Was will er? Charakter erstellen? Baukastensystem? Es geht doch um Phantasie!

Richtig, aber damit das Ganze spannend wird, und nicht jeder einfach sagen kann: „Also ich klettere jetzt in 5 Minuten die 200 Meter hohe, senkrechte Felswand ohne Seil hoch, obwohl ich noch nie geklettert bin“ und so der Spaß und der Nervenkitzel für alle erhalten bleibt, wird am Anfang festgelegt, wer, was und wie der Charakter ist und was er alles kann und besitzt. Man erstellt entsprechend den Regeln gewissermaßen ein Portfolio, ein Charakterblatt der Figur, die man im Spiel verkörpert, und die Auskunft über die Fähigkeiten und Talente der Figur gibt. Man gibt an, wie der Charakter aussieht, wie stark, schön oder klug er ist, ob er ein Mensch/Elf/Zwerg/Ork ist, was er kann und was er nicht kann. Diese Erstellung kann, je nach System, zwischen einer halben Stunde und 3-4 Stunden dauern. Klingt lange, ich weiß, aber je besser man einen Charakter ausarbeitet, desto besser kann man sich in ihn hineinversetzen und den übrigen Spielern die Eigenheiten dieser Figur beschreiben, ihr also gewissermaßen Leben einhauchen.

Wenn diese Etappe gemeistert ist, kann es quasi losgehen.

Man gestaltet das Ambiente am Spieltisch entsprechend, also wird man, wenn man sich durch eine Mittelalter-Fantasywelt bewegt, Kerzen anzünden, entsprechende Hintergrundmusik wählen, um die Atmosphäre zu unterstützen, vielleicht sogar passende Knabbereien anbieten.

Ein Szenenbeispiel:

Meister: „Es ist ein kalter Herbstmorgen, ihr (die Charaktere) hört das von Raureif überzogene Gras unter euren Füßen knirschen, als ihr über die weißbehaubte Wiese lauft. Der Wind wirbelt welke Blätter von den Bäumen, die sich entlang der gepflasterten Staße aufreihen, auf die ihr euch zubewegt.“

Spieler (möchte, dass sein Charakter schaut, ob vorher schon jemand oder etwas die Wiese überquert hat und wenn ja, um wen oder was es sich handelt): „Ich schaue mich um und suche nach Spuren im Gras (der Spieler beschreibt meist aus der Ich-Perspektive seine Handlungen).“

Meister: „Würfel mal eine Probe auf ‚Spurenlesen‚.“

WAS? Würfel? 

Nächste Erklärung: Um eine relevante Aktion des Charakters auf Erfolg zu überprüfen, sind drei Dinge nötig: Die Fertigkeit des Charakters, eben jenes Vorhaben durchzuführen, ein regeltechnischer Wert (also eine Zahl, die angibt, wie gut man in der Fertigkeit ist) und ein Würfel.

Der Würfel ist das Quäntchen Zufall, das man auch aus dem normalen Leben kennt. Nur weil jemand gut kochen kann, kommt es vor, dass er einmal ein Gericht versalzt o.ä. Je besser man jedoch etwas kann, desto seltener passiert ein Missgeschick.

Kurz noch zu den Würfeln: es gibt 4-, 6-, 8-, 10-, 12- und 20-seitige Würfel. Ja, das meine ich ernst. Es ist abhängig vom verwendeten System, welche dieser Würfel Verwendung finden und ist auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Aber zurück zur Probe.

Wir nehmen an, der Charakter hat einen Wert in ‚Spurenlesen‚ von 12 (das steht auf seinem Charakterblatt) und wir nehmen an, das System arbeitet mit einem 20-seitigen Würfel. Desweiteren nehmen wir an, dass es dem Spieler gelingen muss, mit dem Würfel seinen Wert zu unterbieten, um erfolgreich zu sein. Und nehmen wir an, er würfelt nun eine 8. Damit hätte er die Probe erfolgreich geschafft und teilt das dem Meister mit. Dieser würde nun beschreiben, ob und was der Charakter erkennen kann, was je nach Umgebung oder aktuellem Vorhaben des Charakters (vielleicht verfolgt er jemanden) sehr hilfreich sein kann.

So oder so ähnlich verhält es sich in den meisten Situationen, wenn der Charakter Dinge tun oder kämpfen möchte. Es klingt in der Theorie wesentlich schwieriger, als es tatsächlich ist. 😉

Konversationen, die im Spiel zwischen den Charakteren oder dritten Personen (die in diesem Fall alle vom Meister gesprochen werden) stattfinden, werden entweder beschrieben: „Ich gehe zu dem Händler und frage ihn, ob er frisches Obst hat…“ oder direkt geführt: „Seid gegrüßt, werter Herr. Sagt, hab Ihr ein paar schmackhafte Äpfel anzubieten?“ Der Meister würde entweder beschreiben, was der Händler hat, oder direkt „in dessen Person“ antworten. Und so setzt sich die Geschichte in Gang…

Uff… Das war jetzt ganz schön viel. Aber kürzer ist es kaum möglich, eine adäquate Beschreibung von dem zu liefern, was man bei einem Rollenspiel so tut. In einem Gespräch erklärt es sich leichter. Aber warum treibt man diesen Aufwand überhaupt? Wozu die ganze Arbeit, das Regelgelese, Charaktergeschreibe etc.?

Nun, das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

 
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Verfasst von - 27. August 2014 in Pen-and-Paper-Rollenspiel, persönliches

 

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Wie, bloggen? Warum das?

Das – oder so ähnlich – war die Reaktion meines Liebsten, als ich ihm erzählte, dass ich mir ein Blog zugelegt habe. Er wusste natürlich, dass ich in letzter Zeit viel herumgestöbert und viele Blogs gelesen habe, aber dass mich dies jetzt wirklich bewogen hat, selbst damit anzufangen, hat ihn schon überrascht.

Mein Blog soll anoym sein und bleiben, also wird er der einzige aus meinem „analogen“ Umfeld sein, der ihn liest – und mir Rückmeldung über das gibt, was ich da so fabriziere.

Gestern hat ihn sehr überrascht, dass ich was zum Thema Rollenspiel online gestellt habe – und er hat sich über Mollys Reaktion gefreut, die fragte, wie man sich das genau vorstellen könne. Da er ein viel, viel erfahrener Rollenspieler ist als ich, schlug ich ihm vor, er könne ja eine kurze Erklärung schreiben, was genau man sich als „Unbedarfter“ unter Pen-and-Paper-Rollenspiel vorstellen müsse. Seitdem ist er in seinen Nachrichten sehr kurz angebunden. Ich glaube, er tippt…

Neuigkeiten dann bald hier.

 

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