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Schlagwort-Archive: gute Vorsätze

Glück gehabt

Uff. Einer meiner dicken Neuerungspunkte in 2016 ist ja der Jobwechsel, zu dem ich mich durchgerungen habe. Mehrere Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt. Zum einen, dass mir die Arbeit immer weniger Spaß gemacht habe, da die interessanten Tätigkeiten Stück für Stück aus unserem Portfolio gestrichen wurden (und ich auch mit meiner neuen Teamleiterin nicht besonders gut harmoniert habe). Zum anderen aber auch, dass unsere Firma zwei Standorte hat – einen hier in GrößterstadtderRegion und einen in Millionenstadt, etwa 2h Autofahrt entfernt. Früher war unser Standort der größere, seit Jahren kehrt sich das langsam um. Und die Frage, wann der kleinere Standort zugunsten des größeren dichtgemacht wird, hängt hier im Büro seit Jahren immer wieder mehr oder minder offen damoklesschwertgleich über uns.

Ich hatte also die Wahl: Bleiben, bald Nachwuchs in die Welt setzen und danach – naja, als Teilzeitmami mit nur begrenzter Berufserfahrung entweder hier wieder anfangen oder – tja, was, wenn die Firma dann komplett nach Millionenstadt verlegt wurde? Versuchen, mit Kind nen neuen Job zu finden. Oder: Kinderplanung verschieben, jetzt nen neuen Arbeitgeber suchen, der auch Weiterbildungen anbietet und kräftig durchstarten.

Ich hab mich für letzteres entschieden. Meine Kollegen zu verlassen, fällt mir echt schwer. Und die Sorge, wie es beim neuen Arbeitgeber wird. Nette Kollegen? Vernünftige Arbeitszeiten? Spannende Aufgaben?

Am Monatg jedoch platzte hier die Bombe. Meine Abteilung besteht aus zwei Teams mit ingesamt 10 Kollegen. Montag nachmittag sah das ganze dann so aus:

2 Kollegen entlassen

3 Teilzeitkräfte müssen das Team wechseln

4 Kolleginnen können, wenn sie wollen, nach Millionenstadt an den anderen Standort wechseln – oder bis 2017 nen anderen Arbeitgeber suchen.

Uff. Ich bin raus. Grade noch rechtzeitig. Denn meine Arbeitsfelder werden komplett gestrichen – ich weiß nicht, ob ich, hätte ich nicht gekündigt, zu den 2 oder den 4 Kolleginnen gehört hätte.

Manchmal ist Karma ein Arschloch. Manchmal aber auch nicht.

 
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Verfasst von - 27. Januar 2016 in Allgemein, Arbeit, berufliches

 

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Die Kraft des eigenen Körpers

1995

Da stehe ich.

Auf einem Granitblock, schwitzend, schnaufend, mit nassen, ins Gesicht hängenden Haaren. Schweißtropfen laufen über mein Gesicht. Vor mir türmt sich der nächste Granitblock auf, davor, daneben, dahinter weitere. Überall um mich herum. Ich bin tapfer, greife nach dem oberen Rand des nächsten Felsens, stemme die Füße gegen einen kleineren links davon, stoße mich ab, stemme, zerre, hieve mich nach oben.

Ich knie auf dem Stein. Meine Beine brennen.

„Hey, kommst du mal langsam?“ Daniel, mein Schulfreund, taucht irgendwo über mir auf. Auch er schwitzt, auch sein Gesicht ist rot, aber in seinen Augen leuchtet Begeisterung. Ich hebe den Blick. Hinter Daniel: weitere Felsen. Eine endlose Moräne aus großen Findlingen, die sich vom Berg ins Tal herabwälzt. Weit oben ist eine Holzbrücke zu sehen, die den steinernen Fluss überspannt. Wanderer gehen darauf hin und her. Und vor uns, neben uns, hinter uns: Überall Kletterer, die die Felsen hoch- und runterkraxeln. Ich stehe mühsam auf.

„Wie weit ist es noch?“, frage ich Daniel. Der schaut nach oben und zuckt die Schultern. 

„Bis zur Brücke, glaub ich. Oben ist jedenfalls ne Hütte, da können wir uns ein Eis holen.“ Ich nicke. Die kurze Pause hat mich zu Atem kommen lassen. Weiter geht es. Die nächsten Felsen sind leicht, über viele kann man fast wie über Treppen steigen. Aber dann: Hier ein großer Schritt, da ein kleiner Sprung. Ich hüpfe, Daniel macht mir vor, wohin ich springen soll. Schmerzen durchfahren mein Sprunggelenk, als ich aufkomme. ich beiße die Zähne zusammen, schüttele den Fuß aus. Weiter geht es. Da ist ein hoher Schritt zu tun. Ich kriege kaum mein Bein auf die Felsecke. Den Rand oben, an dem sich Daniel hochgezogen hat, erreiche ich nicht. Ich weiß, ich muss springen, mich mit dem Bein hochstemmen und den Felsen dann mit den Händen packen. Ich bin nervös, ich weiß, dass viele Leute um uns herum sind, die sehen könnten, wie ich mich anstelle. Doch ich versuche es. 

Abspringen, gut. Hochstemmen mit dem Fuß? Verdammt noch eins, ich reite, das wird ja wohl drin sein. Doch ich komme schon immer kaum in den Sattel eines Pferdes. Und hier? Nicht hoch genug. Ich komme nicht an die Felskante. Ich versuche es nochmal, und nochmal, beim dritten Mal brennt mein Oberschenkel wie Feuer, doch ich kann mich mit den Händen endlich oben festhalten. Und jetzt? Ich bin zu klein.

„Zieh dich hoch!“, ruft Daniel. Wie denn? Ich hänge da wie ein nasser Sack, baumelnd an den eigenen Händen. Gehalten werde ich nur von dem unsicheren Tritt meines rechten Fußes. Ich versuche noch zweimal, mich hochzuziehen. Dann gebe ich auf. In einem Felsbett einfach loszulassen, ist sehr unangenehm, doch ich kann nicht mehr. Ich plumpse auf den Felsen unter mir.

Daniel taucht wieder bei mir auf.

„Was ist los? Willst du nicht weiter?“ Ich schaue nach oben. Ein junger Mann klettert an uns vorbei nach unten.

„Wie weit ist es noch?“, frage ich ihn. Er schaut nachdenklich hoch.

„Die Brücke ist etwa die Mitte“, erwidert er. Dann klettert er weiter. Ich denke daran, dass Daniel da unbedingt hoch möchte. Dass wir da oben Eis essen wollen. Und ich denke an unsere Mütter, die unten warten, weil sie beide nicht mit raufklettern wollten. Naja, Daniels Mutter wäre mitgekommen, aber sie wollte vor allem mal mit ihrer Freundin in Ruhe ratschen, ohne die Kinder. Aber bis wir da oben wären … bis ICH da oben wäre…

Ich stehe auf. Langsam. Arme, Beine und Po schmerzen fürchterlich.

„Ich geh‘ wieder runter. Mir ist das zu weit und … viel zu gefährlich!“


2015

Da stehe ich.

Auf einem Granitblock, mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken. Schweiß steht mir auf der Stirn. Vor mir türmt sich der nächste Granitblock auf, davor, daneben, dahinter weitere. Überall um mich herum. Ich bin tapfer, greife nach dem oberen Rand des nächsten Felsens, stemme die Füße gegen einen kleineren links davon und stoße mich ab.

Ich stehe auf dem Stein. Einfach so. Ohne Mühe.

„Hey, kommst du mal langsam?“ Der Liebste taucht irgendwo über mir auf. Auch er schwitzt ein wenig, in seinen Augen leuchtet Begeisterung. Ich hebe den Blick. Hinter ihm: weitere Felsen. Eine endlose Moräne aus großen Findlingen, die sich vom Berg ins Tal herabwälzt. Weit oben ist eine Holzbrücke zu sehen, die den steinernen Fluss überspannt. Es ist noch früh am Morgen, und alles ist ruhig.

Ich stehe auf. Mühelos. Auch in meinen Augen ist Begeisterung. 

„Aber klar doch!“ Weiter geht es. Die nächsten Felsen sind leicht, über viele kann man fast wie über Treppen steigen. Aber dann: Hier ein großer Schritt, da ein kleiner Sprung. Ich zögere. Schaffe ich das? Seit Jahren habe ich mich nicht mehr im Klettern geübt, ich hab keine Ahnung, was ich kann und was nicht. Der Liebste macht mir vor, wohin ich springen soll. Ich hole tief Luft, springe ab und – stehe oben. Leich schwankend, aber sicher. Weiter geht es. Da ist ein hoher Schritt zu tun. Ich zögere. Meinen Fuß auf die Felsecke? Die ist über kniehoch. Ich hebe den rechten Fuß und setze ihn auf die Kante. Den Rand oben, an dem sich der Liebste hochgezogen hat, erreiche ich nicht. Ich weiß, ich muss springen, mich mit dem Bein hochstemmen und den Felsen dann mit den Händen packen. Ich denke nicht darüber nach, was passieren könnte. Ich tue es einfach. 

Abspringen, hochstemmen, die Felskante greifen, ein kräftiger Ruck, mein linker Fuß sucht hinter mir Halt, ich drücke ein wenig, komme über die Kante, stemme mich hoch und hocke oben auf dem Felsen. Ich schaue nach unten, ungläubig, fassungslos. Zwei Wochen Krafttraining und dann DAS?

Ich stehe auf. Die verdammte Brücke ist die Mitte, daran erinnere ich mich noch. Na warte, die Hütte kriege ich heute zu sehen! 


Am Ende sind wir das gesamte „Felsenmeer“ in einer Stunde raufgestiegen. Es war anstrengend, aber ein unfassbar tolles Gefühl. Die Hütte oben ist übrigens eher unspektakulär.

Eine Woche später waren wir wieder da – aber mit unserem vollen Alpenmarschgepäck, Mit 10 kg auf dem Rücken ist es doch noch mal ein ganz anderes Körpergefühl. Und natürlich noch anstrengender. Aber: 1.15h haben wir gebraucht. Und das für 300 Höhenmeter steil bergan.

Es ist für mich schwer zu begreifen, was gerade passiert. Mein Körpergefühl ist neu, ganz anders, viel bewusster. Das merke ich schon beim morgendlichen Muskelrecken und -strecken im Bett. Plötzlich gibt es da was zu strecken. Und es stimmt, was erzählmirnix in ihrem Buch beschreibt: Ein fitter Körper fühlt sich ganz, ganz anders an als ein schlaffer – und dabei habe ich kaum angefangen, „richtig“ Sport zu machen. Allein das Krafttraining hat in den popeligen zwei Wochen, die ich es mache, eine unfassbare Veränderung ausgelöst. Ich bin wahnsinnig motiviert, zu sehen, was als nächstes passiert.

 
 

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Ein Buch, das verändert.

Ein Buch, das verändert.

Eigentlich wollte ich schon längst einmal eine Buchrezension schreiben, Einfach, weil ich sehr gerne und viel lese und der Meinung bin, dass es unzählige Bücher gibt, die es wert wären, vorgestellt zu werden – aber jetzt ist mir ein Buch in die Hände gefallen, das derartig laut „sprich darüber“ schreit, dass ich es etwas ausführlicher beleuchten möchte. Vor allem, da es nicht nur ein Buch mit gutem Inhalt ist, sondern eines, das massiv Einfluss auf mein aktuelles Leben genommen hat. Und so sehr ich Bücher liebe – sowas passiert nicht gerade häufig.

Vor allem, da dieses Buch ein Sachbuch ist, das in einem Bereich angesiedelt ist, den ich normalerweise großzügig umgehe: Es beschäftigt sich mit Übergewicht. Es ist allerdings KEIN Diätratgeber – das schonmal direkt vorweg geschickt, ehe die ersten entsetzt wegklicken.

Es handelt sich um das Buch „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Herrmann *klick*, die in der Blogwelt auch unter dem Namen erzählmirnix (und nochmal *klick*) wohlbekannt ist. Das Buch ist derzeit nur als kindle-Version erhältlich, was aber den Vorteil hat, dass die 6,90€ Verkaufspreis kein Hindernis bei der Anschaffung darstellen.

Gestoßen bin ich auf das Buch über den Blog von erzählmirnix, auf dem sie – neben anderen Themen – auch immer wieder das Thema Übergewicht und den gesellschaftlichen Umgang damit aufs Korn nimmt. Nachdem ihr Buch veröffentlicht war, hat sie auf ihrer Seite auf das Buch und den neuen, zugehörigen Blog verwiesen, und ich bin eher zufällig dorthin geraten, hab dann online die ersten Seiten gelesen und das Buch gekauft.

An dieser Stelle muss ich ein wenig ausholen: Auch ich gehöre in die lange Reihe der Menschen, die zu viel Gewicht mit sich herumschleppen. Schon immer. Seit ich denken kann, war ich zu schwer für mein Alter, auch wenn ich mit etwa 11-12 Jahren im Prinzip ausgewachsen und somit nicht nur schwerer, sondern eben auch größer als meine Mitschülerinnen war. Bilder von damals attestieren mir kein Dicksein – aber so habe ich mich gefühlt. Ich bin mit einer sehr weiblichen Figur gesegnet, weswegen 8-10 kg über „Normalgewicht“ bei mir noch nicht besonders auffallen. Trotzdem fühlte ich mich fett und unbeholfen – nicht durchgängig, aber immer wieder mal. Eine sehr passive, computerspielintensive Phase während meines Studiums führte dann zu einer massiven Gewichtszunahme, in deren Folge ich anfing, das Thema zu verdrängen. Ich war zwar immer wieder mal unglücklich und hasste den Gang auf die Waage beim Gynäkologen, aber so richtig was tun konnte/wollte ich nicht. Ich bin also kein typisches „Diätopfer“. Erst Anfang 2013 hatte ich die Schnauze endgültig voll und ging zu Weight Watchers – mit dem Schock: 100,5 kg zeigte die Waage an.

Seitdem bin ich langsam, aber kontinuierlich weniger geworden und habe inzwischen mein selbst definiertes Zielgewicht von 78 kg erreicht – immer noch leichtes Übergewicht, aber ich sehe jetzt wieder so aus, wie ich früher in meinen besten Jahren aussah. Auf „BMI-Normalgewicht“ wollte ich nicht, weil ich dachte „von diesem ganzen BMI-Pseudoscheiß lasse ich mir nicht diktieren, wie ich auszusehen habe.“ Als ich auf das Buch von erzählmirnix gestoßen bin, habe ich etwa 81 kg gewogen und hing da sehr hartnäckig fest – seit über einen halben Jahr.

Aber wieder zurück zum Thema: Ich habe also das Buch angelesen, dann sofort gekauft und quasi in einem Rutsch durchgelesen – so sehr fesselte mich, was ich da las.

Rein optisch ist das Buch nicht besonders aufregend – es hat ein schönes Titelbild, aber das Inhaltsverzeichnis ist nicht verlinkt, genauso wenig wie die Literaturhinweise, was ich hilfreich gefunden hätte – kurz, man merkt, dass das Buch im Eigenverlag erstellt wurde. Aber das ist nebensächlich. In diesem Buch geht es einzig und alleine um den INHALT. Und der ist der Hammer – weil er einfach, wissenschaftlich hinterlegt und letztlich so unfassbar simpel ist.

Eingebettet in ihre eigene Abnehmgeschichte (die Autorin wog 150 kg und ist inzwischen, nach knapp einem Jahr, bei 62(!) kg angelangt) nimmt sich die promovierte Psychologin die gängigen Diätmythen und all die Behauptungen vor, die mit dem Abnehmen verknüpft sind – und zerlegt eine nach der anderen. Und zwar auf wissenschaftlicher, fundierter Basis.

Das geht los bei der Behauptung „Ich esse nur 1000 kcal und nehme nicht ab!“ (nein: Menschen unterschätzen den Kaloriengehalt von Nahrung erheblich) über „Mein Stoffwechsel ist kaputt!“ (nein: wäre er das, wärst du tot) bis „Bei weniger als xxxx kcal Nahrungsaufnahme schaltet der Körper in den Hungermodus und lagert alles ein, was er kriegen kann!“ (nein: wäre das so, hätten die Menschen keine einzige Hungersnot überlebt) und viele weitere Mythen – eben „Fettlogiken“, die eine einzige, wissenschaftlich bewiesene Tatsache verschleiern: Abnehmen = weniger Kalorien rein, als verbraucht werden.

Fertig. Ende. Iss keine Kohlenhydrate? Iss nicht nach 20 Uhr? Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages? Alles Humbug – zumindest unter dem rein physikalischen Aspekt. Dass sie als Regeln beim Abnehmen helfen können, weniger Kalorien zu sich zu nehmen, bestreitet die Autorin nicht. Was sie bestreitet, ist, dass am Ende des Tages irgendetwas anderes zählt als die Kalorienbilanz.

Nach den ersten entlarvten Fettlogiken folgt im Mittelteil des Buches der wissenschaftliche Part, in dem unzählige Studien aufgeführt werden, die sehr stichhaltig belegen, dass Übergewicht einen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat. Und was für einen. Vor allem im massiv übergewichtigen Bereich (morbide Adipositas) wird einem anhand von bis zu 300% erhöhten Risiken für einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen dann doch etwas anders. Dieser Part des Buches kann sich durch die schiere Ansammlung von Studienergebnissen etwas trocken lesen lassen, wenn man mit wissenschaftlicher Literatur nicht allzusehr vertraut ist, aber die reine Informationsmenge macht es trotzdem sehr, sehr aufschlussreich.

Der dritte Part des Buches beschäftigt sich mit einem Aspekt des Übergewichtes, den ich aufgrund meines Soziologiestudiums selbst wahnsinnig spannend fand: mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht. Schonungslos zeigt die Autorin auf, dass wir keinesfalls in einer Gesellschaft leben, in der „Magerwahn und Schlankheitsterror“ herrschen, sondern vielmehr in einer, die immer übergewichtiger wird und in der inzwischen das Körperbild so verschoben ist, dass wir leichtes Übergewicht als „normal“ wahrnehmen. Das Kapitel tauchte bereits im Januar in abgewandelter Form auf erzählmirnix auf (Link oben), und in diesem Blogeintrag demonstriert die Autorin nochmal bildhaft, was im Buch nur mit wenigen fotografischen Beispielen belegt wird: Was wir als „mollig“ oder „moppelig“ empfinden, ist Übergewicht. Was wir als „richtig dick“ empfinden, ist morbide Adipositas. Was wir als „fett“ empfinden, ist jenseits von Gut und Böse.

Dass sich die Wahrnehmung verschoben hat und nicht etwa der BMI als Maßstab zu niedrig ist, wird durch alte Werbung/Bilder aus den 50-70er Jahren belegt. Der Motivationssatz für schöne Frauen, der im Internet seit Jahren kursiert, stimmt: „Früher wog ein Model 8% weniger als die Durchschnittsfrau. Heute sind es 23%.“ Aber nicht, weil die Models immer dünner werden. Sondern weil die Durchschnittsfrau immer dicker wird. Gleichzeitig herrscht ein ausgeprägtes Misstrauen gegen abnehmende Mitmenschen. Den meisten wird relativ schnell gesagt „nimm nur nicht zu viel ab, sonst wirst du zu dünn“, wenn sie nicht gar (un)bewusst manipuliert werden (Teller extra voll machen etc.). Eine Erfahrung, die ich übrigens selbst machen musste.

Auch erschreckend ist, wie wenig sich Ärzte trauen, Übergewicht als Ursache für Gesundheitsprobleme anzusprechen, sondern erst mal andere Punkte angehen – also eher zu einer Knie-OP raten als dazu, radikal abzunehmen. Ob das daran liegt, dass den Ärzten die Zusammenhänge teilweise selbst nicht so deutlich bewusst sind (was ich erschreckend fände) oder daran, dass sie keine Lust haben, ein unangenehmes Patientengespräch zu führen, bleibt verständlicherweise offen.

Ebenso neu für mich war, dass es auch unter normalgewichtigen Menschen eine ganze Menge gibt, die eigentlich einen zu hohen Körperfettanteil haben – jeder kennt doch jemanden, der dünn ist, aber total unsportlich. Dass diese Menschen die gleichen Gesundheitsrisiken wie Übergewichtige haben, ist meiner Meinung nach viel zu wenig bekannt.

Am Ende folgen noch etliche Seite Literaturverzeichnis – ich muss gestehen, ich habe sie nur überflogen – die den Eindruck erhärten, dass es sich hier um eine wissenschaftlich sehr fundierte Zusammenfassung zum Thema Übergewicht handelt.

Mein Fazit: Das Buch ist unaufgeregt, wahnsinnig sachlich und extrem fundiert – und es gibt keine Heilsversprechen, keine „folgt meinen Tipps, dann nehmt ihr ab!“-Botschaften. Man merkt, dass die Autorin aus der wissenschaftlichen Ecke kommt, aber man merkt auch, welche Selbsterkenntnisse es gewesen sein müssen, und wie schmerzhaft der Prozess war, der durch die Überwindung der „Fettlogik“ hindurch führte. Sie ist mit ihrer eigenen Gewichtsreduktion ein krasses Gegenbeispiel zu vielen Fettlogiken, die langsames Abnehmen propagieren.

Der dritte Teil hat mich am meisten erschreckt, weil er zeigt, wie sehr das Übergewicht schon in der Gesellschaft verankert ist. Allein dieser Part macht es meiner Meinung nach unumgänglich, dieses Buch nach kräften in seiner Verbreitung zu unterstützen, denn: Übergewicht ist nicht gesund. So wenig wie Rauchen. Und das muss in den Köpfen ankommen.

Übrigens hat mich das Buch dazu gebracht, meine inzwischen schleifende Abnahme wieder anzugehen. Eine der ganz großen Erkenntnisse in diesem Buch war für mich der Aspekt von Krafttraining als Schutz vor erneuter Zunahme und als gesundheits- und fitnessfördernde Maßnahme. Und eine Erkennitnis, die die Autorin von sich berichtet und die ich nun bei mir voller Erstaunen selbst entdecke: Sport kann Spaß machen. Es muss nicht nur Quälerei sein wie das immer wieder halbherzige Joggen, das ich bisher praktiziert habe.

Das Buch hat mir den letzten notwendigen Tritt in den Hintern verpasst, mich auch noch den letzten Kilos zu stellen und Muskeln aufzubauen. Immerhin will ich ja im August in die Alpen. Und da möchte ich nicht nach drei Tagen schlappmachen.

 

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Große Pläne

2015 wird ein spannendes Jahr bei uns. Der Liebste wird nochmal die Schulbank drücken – Meisterschule – und ich bin immer noch nicht mit dem Gedanken durch, den Job zu wechseln. Oder hier zu bleiben und zu schauen, was weiter passiert, wenn Ende April nochmal einiges an Personal die Firma verlassen wird. Ob ich in der Hierarchie nachrutsche oder hier auf ewig als Assistentin versauern soll.

Außerdem steht auf unserem Programm: Mehr Sport. Typischer Vorsatz, aber wichtig. Der Liebste hat Sorge, während der Meisterschule schnell zuzulegen, weil er dann nicht mehr jeden Tag acht Stunden körperlich arbeitet. Und ich habe den letzten sechs Kilo, die ich für mein Empfinden noch zu viel auf den Rippen habe, und die ich seit einem Jahr nicht loswerde, den Kampf angesagt.

Unser Problem jedoch ist: Sport ohne Ziel ist doof. Wir sind beide so, dass wir nicht dreimal die Woche zum Laufen und Schwimmen gehen können, ohne zu wissen, wofür. Als der Liebste letztes Jahr noch hoffte, zur Berufsfeuerwehr gehen zu können, trainierte er für den Sporttest, und von seiner Motivation habe auch ich profitiert, denn ich bin dann einfach zu seinem Training mitgegangen. Sowas fehlt uns aber nun. Und nein – Marathontraining fällt definitiv aus. Ich finde es schon langweilig genug, ne habe Stunde übers Feld zu rennen. 🙂

Nun musste also eine Lösung her. Eine Motivationshilfe. Und da kam uns unsere Urlaubsplanung zu Hilfe. Nach einem wunderbaren Sommerurlaub im letzten Jahr – eine Woche Segeln in Dänemark – kam nun die Frage auf, was wir im kommenden Sommer machen werden. Segeln fällt in diesem Jahr aus, weil der Liebste wegen der Meisterschule nur drei Wochen Ende August frei hat, und wir mindestens zwei Wochen nach Dänemark müssten, damit sich das lohnt. Aus finanziellen, aber auch wettertechnischen Gründen am Sommerende ist das nicht die beste Option.

Aber zum Glück sind wir, was Urlaubsziele angeht, sehr flexibel – nur möglichst tief in der Natur sollte es sein. Deswegen haben wir uns für den August ein hehres Ziel ausgesucht: Wir werden den Stubaier Höhenwanderweg gehen. Acht Tage wandern, mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte, auf über 2000 Metern. Rund 100 km und 1000 Höhenmeter in einer Woche sind der Plan.

Wir sind beide aufgrund unseres Hobbys ziemlich abgehärtet, was die eventuellen Widrigkeiten der Natur angeht. Aber körperlich wird diese Woche eine echte Herausforderung und wird uns das ganze erste Halbjahr beschäftigen.

Training ist angesagt. Zum Glück haben wir hier einige Mittelgebirge in erreichbarer Nähe. Ein- und Zweitagestouren werden wir gehen, mit voller Ausrüstung natürlich, um zu testen, was man an Gewicht mitnehmen kann und auf was man verzichten sollte. Und unter der Woche wird gelaufen, um die allgemeine Ausdauer zu erhöhen.

Die erste Tour sind wir schon am Samstag gegangen. Drei Stunden, 7,5 km, 300 Höhenmeter. Mit 8 Kilo Gewicht im Rucksack. Schon während der ersten Stunde habe ich geistig 50% des Rucksackinhaltes wieder rausgeworfen. 😉

Ich bin wahnsinnig gespannt, wie wir vorankommen werden. Und falls jemand von Euch versiert im Wandern ist, bin ich Tipps rund um Ausrüstung und Vorbereitung sehr aufgeschlossen.

Das gilt übrigens auch für Tipps zur Muskelkater-Vermeidung. *aua*

 
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Verfasst von - 19. Januar 2015 in persönliches, Urlaub, Wandern

 

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