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Halloween – Alptraum, Teil 3

18 Nov

Teil 1 und 2 hier


 

Halloween 2006, ca. 5.00h morgens

Edward Clay stapft langsam durch die samtene Dunkelheit. Er genießt die Stille des Parks. Natürlich ist es hier nicht wirklich still, das Wasser des Eisbaches rauscht, das welke Laub der Bäume raschelt im Wind, und die Äste knarren, als wären die braunen Blätter eine übermäßige Last.

Es ist kalt, und der Wind schneidend. Zwar stört ihn die Kälte nicht, aber der Wind lässt seinen Trenchcoat flattern und droht dauernd, ihm den Hut vom Kopf zu reißen. So ist er froh, dass der nächste Eingang in das Königreich nur noch wenige Dutzend Meter entfernt ist.

Plötzlich spürt er einen unerwarteten Druck auf der Schulter, der so plötzlich kommt, dass er einige Schritte nach vorne macht. Ein Rascheln und Flattern umgibt ihn, und etwas Spitzes bohrt sich in sein Schulterblatt.

„Tier!“, kreischt es in seinem linken Ohr, „Tier! Tier!“

Unwillkürlich greift er nach dem Angreifer. Er spürt die vertrauten Federn, die sich leicht klebrig unter seinen Fingern anfühlen.

„Ruhig, Freund, ruhig“, spricht er leise auf den Vogel ein. Unter Mühen gelingt es ihm, ihn auf seinen Arm zu bugsieren. „Mercutio, alles ist gut“, flüstert er. Doch der Vogel scheint außer sich. Nur sehr langsam wird er ruhiger. Und jetzt fällt Edward erst auf, dass der Rabe deutlich schlimmer aussieht als üblich: Auf der rechten Seite ist ein Teil seiner Federn in die falsche Richtung gebürstet, und an seinem Flügel fehlen drei Schwungfedern.

„Was ist passiert?“, fragt er. Der Vogel trippelt auf seinem Unterarm hin und her.

„Tier, Tod!“, krächzt er. Edward streichelt ihn behutsam. „Wo ist ein totes Tier?“

„Tier tötet… Tötet und jagt…“ Ihn beschleicht eine Unruhe.

„Ja und? Das tun Tiere… Du auch?!“ Mercutio schüttelt den befiederten Kopf, und einige kleine Federn sinken zu Boden.

„Tötet Mensch… Tötet jetzt..!“ Er schaut den Vogel alarmiert an.

„Wo?!“

„Hinten… Fluss…“ Der zierliche Kopf wendet sich nach Norden, über das offene Gelände des Kleinhesseloher Sees hinweg, Richtung Hirschau. Edward schaut auf die Uhr. 5.20h. Noch eine Dreiviertelstunde Nacht verbleibt.

„Zeig mir, wo!“

Laut kreischend flattert Mercutio auf und verschwindet in der Dunkelheit.

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