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Näh-Projekt „Edelkleid“ – Endstand

22 Mrz

So… lange war es still auf meinem Blog, aber das lag gleich an mehreren Tatsachen: Zum einen ging es beruflich gerade ziemlich rund, weil sich bei uns sehr viele Strukturen ändern, zum anderen hat mich letzte Woche eine richtig fiese Virusinfektion erwischt und  mehrere Tage außer Gefecht gesetzt.

Da jetzt am Wochenende aber das Larp stattfand, auf dem ich das Kleid gebraucht habe, war es ein ziemlicher Gewaltakt, das Ding noch fertig zu bekommen – manche Tage nur stundenweise. Deswegen habe ich auf mein Vorhaben über Bord geworfen, den Fortschritt zu dokumentieren und das Ding durchgekloppt.

Aber es hat geklappt, und ich bin richtig stolz darauf. 🙂

Nur nochmal kurz zur Erinnerung, das hier war der Entwurf:

Kleid Scan

Wie es immer so ist, gab es in der Umsetzung dann einige Änderungen. Bei mir waren das:

– keine gelben Zierbelege an dem blauen Übergewand (die Stoffarten harmonieren im direkten Kontrast nicht gut, das Leinen war zu fein und zu leicht)

– tiefer Ausschnitt statt Stehkragen am Überkleid

– weißes Futter im Überkleid

– statt einer Frontschnürung Posamentenverschlüsse vorne

– Y-Gürtel aus gelbem Stoff zusätzlich

So, und damit genug gesagt, das Ergebnis sieht so aus (bitte entschuldigt die Knitterfalten, Leinen ist echt der Killer):

Kleid1 Kleid2Kleid3

Der Schnitt des Unterkleides ist ein einfacher mittelalterlicher Bliaut-Schnitt, der an der Taille geschnürt wird:

Kleid4

Das Oberkleid ist vom Grundschnitt her eine Weste mit Rückenschnürung. Die Posamentenverschlüsse habe ich nicht nur am Überkleid, sondern auch am Gürtel genutzt (es hat mir das Umsäubern von weiteren sechs Nestellöchern erspart):

Kleid5

Da Molly ja gefragt hatte, wie lange ich für so ein Kleid brauche, habe ich die Zeit gewissenhaft notiert – leider bin ich am Ende ins Schleudern geraten, denn durch die Krankheit hatte ich keine durchgängige Zeit „in einem Rutsch“, sondern habe viel gestückelt. Ich habe auch das geplante Unterkleid nicht mehr gemacht, das aus dem Vorschnitt entsteht, aber das wird defintiv keine vier Stunden mehr dauern.

Also, hier die Zusammenfassung der Arbeitszeit:

Anfertigung Vorschnitt: ca. 5h (dient aber später als Unterkleid und spart somit Arbeitszeit)

Übertragung Schnitt auf Stoff: ca. 1h

Zuschnitt: ca. 2,5h

Nähen Bliaut (das beinhaltet natürlich nicht nur stumpfes Zusammennähen, sondern auch Einsetzen der Keile, Füttern der Ärmel mit Futterstoff, Halsbeleg anfertigen, Schnürung ausmessen und einnähen, Saumbeleg anfertigen): ca. 14h

Überkleid: ca. 7,5h (wegen des Fütterns mit weißem Leinen und dem Ausmessen und Nähen der Rückenschnürung)

Umsäubern Nestellöcher: 3,5h

Ich hatte gehofft, dass mir die Nähmaschine des Liebsten die Arbeit abnimmt, aber leider funktioniert das Ösennähprogramm nicht sauber. Also habe ich ingesamt 32 Nestellöcher mit der Hand umsäubert – ganz nett, wenn man wegen Schwindel eh nur auf der Couch und nicht an der Nähmaschine sitzen kann. Am Ende war ich dann bei 5 Löchern pro 30 Minuten, aber den Dreh muss man erst mal herausbekommen. Dafür sehen sie ganz ordentlich aus:

Kleid6

Insgesamt stecken also rund 33 Arbeitsstunden in dem Kleid. Materialkosten lagen am Ende bei rund 125€, weil ich Kordeln und Posamentenverschlüsse noch extra gekauft habe.

Nach dem ersten Einsatz bin ich sehr zufrieden mit dem Tragekomfort gewesen. Auch wenn ich über eine ca 25cm hohe Stickerei unseres Wappenlöwen auf der linken Seite des Überkleides nachdenke… aber das ist nochmal ne andere Geschichte.

Was mich – dank der Diskussion mit der lieben Molly – interessieren würde, geschätzte Leser: Was würdet ihr für so ein Kleid ausgeben, wenn ihr es euch bestellen könntet?

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss die Magierklamotte fertig nähen. 😉

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7 Kommentare

Verfasst von - 22. März 2015 in Liverollenspiel, Mittelalter, Nähen

 

Schlagwörter: , , ,

7 Antworten zu “Näh-Projekt „Edelkleid“ – Endstand

  1. Molly L.

    22. März 2015 at 22:42

    Wow! Wunscherschön, liebe Susepedia! 🙂
    Wobei ich allerdings sagen muss, dass mir das Kleid ohne Überkleid fast noch besser gefällt. Aber das ist ja Geschmackssache, ich mag es immer lieber schlicht-elegant. Wobei der weiße Stoff übrigens unglaublich schön ist, auf dezente Weise elegant, das sieht man erst so richtig, wenn man sich ein Bild großklickt!
    Verbeugung vor Deinem Talent! 🙂

    PS: Hast Du Dir jetzt nur wegen meiner Mail die haare Rot gefärbt? 😉

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    • susepedia

      23. März 2015 at 9:23

      Vielen lieben Dank für das Kompliment, Molly! *rot werd* Du hast recht, grunsätzlich könnte mand as Kleid auch ohne Überkleid tragen, der Schnitt gibt es her. Allerdings gilt im Larp grundsätzlich bei der Klamotte eher „je mehr Schichten, desto cooler“. Und ich musste ja unsere Wappenfarben elegant unterbringen, ohne die zehnte zu sein, die einfach weißen Stoff mit blauer Verzierung nutzt. *grinst*
      Was die Haare angeht: Nein, die waren schon immer rot. Also seit ich blogge und die paar Jahre davor. Entweder hast du also hellseherische Fähigkeiten oder du hast es einfach schonmal auf den Bildern von der Magierklamotte gesehen. 😉

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  2. Curima

    23. März 2015 at 9:45

    Wow, sehr sehr schick geworden! Den weißen Stoff find ich auch klasse. Das Gesamtergebnis aber auch 🙂
    Und, wie kam das Kleid an? Und wie war das Larp?

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    • susepedia

      23. März 2015 at 10:15

      dankeschön! Das Kleid kam outtime gut an, intime ist es nicht so aufgefallen, weil es ja ohnehin ein Fest war und viele sich abends nochmal edler angezogen haben. Das Larp selbst war herrlich – als Feiercon war endlich mal Zeit, mit guten Freunden viele gute Gespräche zu haben und die Leute, mit denen man seit Jahren gemeinsam streitet, auch außerhalb des Schlachtfeldes besser kennen zu lernen. Und ein bisschen gepflegt auf die Nase gab es mittags auch. 🙂

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  3. nandalya

    23. März 2015 at 14:40

    Wahnsinn welche Arbeit du dir machst! Du hast meinen tiefen Respekt dafür. Ich kann ja nur Karate 😉

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    • susepedia

      23. März 2015 at 14:58

      Was heißt denn da „nur“, liebe Nandalya? Ich glaube übrigens, dass es da durchaus Gemeinsamkeiten gibt. Zum Beispiel das meditative Aufgehen in dem, was man tut. 🙂

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      • nandalya

        23. März 2015 at 15:02

        Schreiben, meditieren, nähen, komponieren, das sind alles künstlerische Sachen. Nur der, der darin aufgeht, wird zum wahren Meister. Gut erkannt 🙂

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