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Sapidas Geschichte

08 Jan

Vor Weihnachten habe ich auf dem Blog eine mehrteilige Geschichte online gestellt, deren Teile lose verbunden waren (wer sie nochmal in der richtigen Reihenfolge lesen will, weiter unten sind die Links).

Wer sich gewundert hat, warum ich eine so blutige und explizit den Tod beschreibende Geschichte geschrieben habe: Nein, ich fühle mich nicht zum Krimi- oder Thrillerautoren berufen. Die Geschichte ist im Rahmen eines Pen & Paper-Rollenspiels entstanden, und zwar eines sehr alten Spiels: Vampire – Die Maskerade. Das gibt es bereits seit den 90ern auf dem Markt, und der Liebste und ich haben uns vor Weihnachten entschieden, das Spiel für uns mal wieder aufleben zu lassen. Und zwar mit ihm als Spieler und mir als Spielleiter.

Meine erste Meisterrunde! Ich war und bin immer noch ziemlich aufgeregt, ob ich es schaffe, die Stimmung und Düsternis dieser Welt treffend zu beschreiben. Bisher spiele ich nur mit dem Liebsten, aber später sollen noch zwei Spieler hinzukommen.

Das, was ich online gestellt habe, war eine Zusammenfassung des Präludiums, also des „Vor-Spieles“. Gerade bei Vampire kann es sehr sinnvoll sein, sowas mit den Spielern zu spielen (möglichst mit jedem einzeln), damit diese die Gelegenheit haben, ihren Charakter richtig kennenzulernen – sich einzufinden. In dieser Variante haben wir uns sehr viel Zeit genommen, erst mal das Leben des Menschen zu bespielen. Mein Liebster hat sich eine junge Frau als Charakter ausgesucht, stammend aus einem sozial sehr schwachen Milieu, eine Kämpfernatur, die von einem Vampir den Kuss erhält (so nennt sich die Erschaffung eines Vampires), der aus einem Clan kommt, der sich eigentlich in erster Linie mit Geschäften und Finanziellem beschäftigt. Der Grund, warum sie ausgewählt wurde, ist sowohl dem Spieler als auch dem Charakter noch verschlossen. Ob es jemals ans Licht kommt, wird sich im Spielverlauf zeigen.

Vampire ist kein Heldenrollenspiel. Es geht nicht darum, eine Welt zu retten. Vampire sind Monstren, die versuchen, in ihrer eigenen Unsterblichkeit einen Sinn zu finden, Beschäftigung und Sicherheit. Und – und das ist das wichtigste – die meisten versuchen verzweifelt, die Reste ihrer Menschlichkeit zu wahren. Doch wie macht man das als fast gefühlloses Wesen, das die Jahrhunderte überdauern kann und alles Menschliche um sich herum immer und immer wieder von neuem zu Staub zerfallen sieht? Wie hält man die Bindung an eine Welt, an Werte aufrecht, die einem mehr und mehr entgleiten? Und – wie kommt man damit zurecht, dass man Menschen verletzten muss (physisch und psychisch), um zu überleben? Was bedeutet es, die Schlange am Busen der Menschheit zu sein?

Sapidas bzw. Anoushs Geschichte wird sich darum drehen. In welche Richtung sie geht, bleibt dem Spieler überlassen. So wie ich auch die Geschichten schrieb, die hier online stehen, aber mein Liebster sie spielte. Seine gespielte Version weicht von meiner geschriebenen ab, aber das macht nichts. Spielleiter müssen auf das reagieren, was ihnen ihre Spieler geben, und nicht auf ihrer eigenen Timeline bestehen. Soviel weiß ich schon.

Hier  gehts nochmal zum Anfang der Geschichte.

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14 Kommentare

Verfasst von - 8. Januar 2015 in Pen-and-Paper-Rollenspiel, Stories, Vampire

 

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14 Antworten zu “Sapidas Geschichte

  1. Molly L.

    8. Januar 2015 at 10:02

    Arme Vampire! ich frage mich immer: Wenn schon der Mensch oft keinen Sinn in seiner Existenz sieht… Ich meine: Der hat`s ja wenigstens irgendwann hinter sich! Aber was ist mit so langlebigen Biestern wie Vampiren, Elben & Co.? 😉
    Ja, da könnte man jetzt schöööön drüber philosophieren! 🙂

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    • susepedia

      8. Januar 2015 at 10:08

      *lacht* Ja, und genau das tut das Spiel ein Stück weit auch. Klar geht es auch um eine konkrete Story, die die Spieler erleben, aber letztlich eben auch immer um die Frage: Was mache ich mit diesem Leben, das mir gegeben ist? Wenn ich alle Zeit der Welt habe, mir Unabhängigkeit und Reichtum zuzulegen und alle Begehrlichkeiten zu erfüllen, was bleibt dann noch?
      Elben haben ja immerhin ihre Kunst und Hochkultur, Vampire verlieren über die Jahre hinweg jedoch jede Form von Kreativität und Gefühl… außer Misstrauen und Neid bleibt da wenig übrig.

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      • Molly L.

        8. Januar 2015 at 10:11

        Hach ja, das alte „Ich werde nicht satt-Problem… 😉 Nee, mit Elben hab ich`s nicht so, in der Regel viiiel zu arrogant, nee, Vampire haben da definitiv mehr Stil.
        … Andererseits sind sie auch recht bemitleidenswert, betrachtet man sich die Grundzüge ihrer Existenz. Will sagen: Was hat sich die Natur nur dabei – und beim Nacktmull – gedacht? 😀

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      • susepedia

        8. Januar 2015 at 10:14

        *lacht* Die Antwort auf die Frage erübrigt sich: Vampire haben sich die menschen ausgedacht, aber die Natur hat Nackt- und Sternmull verbrochen. Oder um den Film Dogma zu zitieren: „Gott muss Humor haben. Man betrachte nur einmal das Schnabeltier.“

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      • Molly L.

        8. Januar 2015 at 10:17

        Und das gibt einen Extrabonuspunkt für`s „Dogma“ kennen! 🙂
        Ausgedacht? Vampire? Den Menschen ist da echtnichts Besseres eingefallen? 😀
        Ist ja nun de facto so, dass die Existenz der Vampire schlicht und einfach keinen Sinn ergibt und von einer biologischen Nischenbesetzung kann man da auch nicht sprechen. Hmpf. Arme Dinger! 😀

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      • susepedia

        8. Januar 2015 at 10:19

        Nüja… *hüstel* Als natürliches Ende der Nahrungskette wäre eine Rasse, die Menschen als Beute hat, evolutionstechnisch schon machbar… und manchmal, wenn man sich Industrie und Politk so anschaut, auch sinnvoll. *hust*

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  2. Molly L.

    8. Januar 2015 at 10:32

    Och Suse…pedia, schau: Nee! Denn 1. mal ist der gemeine Feld-, Wald- und Wiesenvampir über Tag derart wehrlos, dass er da im Grunde genommen keine Schnitte gegen den immeraktiven Mensch hat – der sich zudem noch nie gesträubt hat, gefährliche Raubtierarten einfach mal auszurotten.
    Und 2. ist der Vampir an sich so konstruiert, dass sich mit seiner Beute – dem Menschen – niemals ein vernünftiger „circle of life“ einspielen wird, da ist kein Gleichgewicht möglich! DENN: Da mutiert dann ja auch so mancher Mensch ebenfalls zum Vampir. Und was, wenn alle Menschen ausgesaugt sind? Hm?
    Siehst Du: Völlig sinnlos das Ganze, ein glatter Fehlentwurf! 😉

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    • susepedia

      8. Januar 2015 at 10:42

      Das kommt sehr stark auf die Version des Vampir-Mythos an, liebe Molly. Das ist ja das praktische daran: Such dir das raus, was am besten passt. Im Fall von dem Maskerade-Rollenspiel:
      zu 1. Natürlich haben Vampire Diener, willige Menschen, die sie mit Blut füttern oder künstlich Liebe entfesseln, die sie beschützen – und wer will schon die Zuflucht eines Vampires stürmen, vor der sich einem verliebte Frauen in den Weg werfen?
      zu 2. Nicht jeder gebissene Mensch wird ein vampir – um Himmels Willen! Nur derjenige, der ausgetrunken wird und Blut des Vampires bekommt, erwacht wieder – wie bei „Interview mit einem Vampir“, dem alten Schmachtfetzen. 😉

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  3. nandalya

    8. Januar 2015 at 14:13

    Vampire entstammen dem mittelalterlichen Aberglauben und Leuten, wie einer gewissen Gräfin Elisabeth Báthory. Klar hat auch Bram Stokers „Dracula“ ein Bild vom Vampir erschaffen, den es so nur in Europa gibt. Taugt aber gut als Stoff und der neue Dracula-Film ist wirklich gut! Yuki mag solche Filme nicht zwingend, aber sie geht immer tapfer mit.

    Meine Wenigkeit hat auch schon Vampirgeschichten geschrieben, Bücher gelesen, Filme gesehen. Die morbide Faszination des einsamen Wanderers durch die Zeit hat was. Nur bitte keine Bücher von Herrn Hohlbein dazu! Von dem Gestammel wird mir schlecht.

    Talent zum Schreiben hast du aber, das muss ich dir klar sagen. Aber ein Buch ist schwere Kost und besteht viel aus editieren / korrigieren. Und das kann nerven. Was mir auffällt ist der Vampir-Boom der letzten Jahre und wie sich ihr Bild verändert hat. Ich behaupte ausgelöst auch durch die Buffy / Angel-Serie(n), die ich beide kenne. Ja, ich nun wieder … 😀

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    • susepedia

      8. Januar 2015 at 14:37

      Oh ja, die Holbeim-Vampire mag ich auch nicht. Ich beschäftige mich aber auch schon sehr lange mit dem Vampirmythos, schon laaaange vor Buffy und Co. Selbst das Maskerade-Rollenspiel mochte ich am Anfang nicht spielen, weil ich Angst hatte, es würde mir meine Sicht auf das Thema zu stark verändern, wenn ich mich damit auseinander setze.
      In der Uni hatte ich eine Dozentin in Theaterwissenschaft, die sich sehr dezidiert mit dem Vampirmythos und seinem Wandel in den Medien beschäftigt hat – und welches Spiegelbild er der Gesellschaft zurückwirft. Vom erotischen Einzelgänger der viktorianischen Zeit bis zum weichgespülten Edward, der trotz seines Alters naiv an die ewige Liebe zwischen Unsterblichen glaubt *uarg*

      Danke für dein Kompliment zu meinem Schreibstil – ich habe früher sehr viel geschrieben, es dann aber lange sein gelassen. Vielleicht nehme ich doch mal den Faden wieder stärker auf. Auch wenn es sicher kein Buch wird. 😉

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      • nandalya

        8. Januar 2015 at 14:48

        „… ich habe früher sehr viel geschrieben, es dann aber lange sein gelassen …“

        Dito. Sogar Kurse für kreatives Schreiben besucht und mich in Literaturforen gefetzt 😀 Mein Blog war nach Jahren der Abstinenz eine spontane Idee und ist keine Literatur. Den Anspruch habe ich nicht. Nur einfach Worte, die mir aus den Fingern fließen.

        In Japan gibt es die Yokai, die Obake (Geister, Dämonen), die überall zu finden sind. Vampirlegenden eigentlich nicht. Die hat erst der Westen vor einigen Jahrzehnten nach Japan gebracht. China kennt Vampire schon lange, aber die sind da etwas „anders“ 😀

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      • susepedia

        8. Januar 2015 at 15:03

        Das ist halt der Vorteil eines Blogs… man schreibt nur, wenn man in der passenden Stimmung ist. 🙂
        Mich müssen Sachen inspirieren, dann „fließt“ es.

        Die japanische Myhtologie finde ich übrigens sehr spannend, aber es ist etwas schwierig, zwischen vielen (westlichen) Adaptionen die „echten“ Sagen und Legenden rauszufiltern, wenn man damit nicht aufgewachsen ist.

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      • nandalya

        8. Januar 2015 at 15:11

        Meine Eltern haben mir japanische und deutsche Bücher in die Hand gedrückt. Na ja, ich hab sie mir meist einfach genommen. Yukis Papa kennt japanische Legenden sehr gut und kann die auch gut erzählen. Meiner bekanntlich die Legende des Karate. Aber das ist auch sehr gut.

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      • susepedia

        8. Januar 2015 at 15:34

        Das ist halt unbezahlbar bei Legenden… Leute, die sie gut erzählen können. Sei es verbal oder auf dem Papier. Aber ersteres ist natürlich besser.

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