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berufliche Dreistigkeiten

15 Okt

Ich bin nicht immer zufrieden und glücklich mit dem Job, den ich mache, um Geld zu verdienen (das ich dann in Stoffballen investiere), aber im Großen und Ganzen ist er okay. Vor allem habe ich tolle Kollegen, und die typischen Bürogeschichten um unfähige Chefs und fiese Kollegen sind mir bisher gottlob fremd geblieben.

Neuerdings habe ich aber diesen einen Kollegen… er war jahrelang freier Mitarbeiter und in dem, was er tat, extrem gut. Zum neuen Semester haben wir ihn festangestellt. Parallel kam ein neuer Marketing Director, der sehr viel an unserem externen Auftritt geändert hat (und alles gleichzeitig, es ist schon mitunter anstrengend), und unser lieber Herr Y. hat seine liebe Mühe, sich an den neuen Auftritt zu gewöhnen. Sprich: Er ruft mich an und jammert, wie anstrengend doch jetzt alles ist – alles. Immer. *seufz* Dass der gute Mann nen höheren Stundenlohn bekommt als 50% der Belegschaft, weil wir den anstrengenden Rumreisejob angemessen honorieren wollen, sei da nur am Rande erwähnt.

Heute ruft er mich an (zum dritten Mal, eine Aktion in den Niederlanden hatte nicht so geklappt, wie wir das wollten) und erzählt mir, dass er sich auf einen Parkplatz gestellt habe, auf dessen Schild irgendwas auf niederländisch stand (was er nicht verstanden hat) und es zusätzlich einen Hinweis auf einen Parkticketautomaten gab (was er verstanden hat). Er zog sich also ein Parkticket, ging an die Arbeit und hatte, als er wiederkam, ein Knöllchen am Auto. Danach hat er wohl die Übersetzung des Schildes gegoogelt und wusste nun, dass er da an dieser Stelle nur mit Sondergenehmigung parken darf. Ergebnis: Ein Knöllchen über 90€. Aua. Das tut echt weh.

Nun hat Herr Y. mich angerufen und mir das erzählt. Ich denke noch „Na klar, das ist schon ein bisschen Bauernfängerei bei ausländischen Autos“ und rate ihm, alles zu fotografieren, denn vielleicht kann man das anfechten. Er druckst etwas rum und ich kapiere nicht ganz, was er will, bis ich ganz direkt frage. Es kommt raus: Er hätte gerne, dass die Firma das Knöllchen bezahlt.

Im Ernst: Echt jetzt?! Ich hab mir schon zigmal im Berufsverkehr Knöllchen für zu schnelles Fahren geholt, und muss die auch selbst zahlen! Meint er: „Ja, aber das ist was anderes, in Deutschland weiß ich ja, wenn ich ein Verbot übertrete, und nehme das in Kauf, wenn ich zu schnell bin… Und das Schild hier hab ich nicht verstanden, weils niederländisch war, und ich bin ja auch nur für die Firma in die Niederlande gefahren…“

Ich komme hier grade ob dieser ernsthaften(!) Forderung echt nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus. Im Ernst: Schützt ne Festanstellung vorm eigenen Denken? Oder bin ich hier die ignorante Chefin und er hat recht mit seinem Anliegen…?

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Ein Kommentar

Verfasst von - 15. Oktober 2014 in Allgemein, berufliches

 

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Eine Antwort zu “berufliche Dreistigkeiten

  1. nandalya

    16. Oktober 2014 at 11:26

    Holländisch ist Niedermittelhochdeutsch und zumindest für mich in Düsseldorf Aufgewachsene recht gut verständlich (lesbar). Wenn Holländer sprechen verstehe ich weniger, was an der Betonung liegt. Ich denke nicht, dass die Firma für seinen Fehler verantwortlich gemacht werden kann. Auch, wenn manche Radarkontrollen modernes Raubrittertum sind, so besteht auch hier die Pflicht des Autofahrers, die vorgeschriebene Geschwindigkeit einzuhalten. Im Zweifel fragt man in Holland einen Einheimischen, was dieses Schild bedeutet. Holländer sprechen meist Deutsch, zumindest aber Englisch. Er hat einen Fehler gemacht, er wird daraus lernen.

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